Blick in die Vergangenheit

Da soll noch mal einer sagen, früher war alles besser.

Es liegt zwar einige Jahre zurück, seitdem ich diese Bilder machte, aber ich denke, das spielt keine Rolle. Obwohl die Häuser in denen ich sie aufnahm inzwischen saniert sein sollen.

Es handelt sich um die letzten Rudimente eines Hamburger Gängeviertels. Wobei man sagen muss, dass dies eher wenig damit zu tun hat, setzt man sich intensiver mit der Materie Gängeviertel auseinander.

Früher habe ich immer gedacht, wie schade es ist, dass in Hamburg quasi nichts wirklich Altes mehr steht. Es liegt leider in der Tradition der Hamburger Pfeffersäcke, Altes nicht zu bewahren. Das war schon immer so.

Prinzipiell finde ich das furchtbar. Gesehen auf die Gängeviertel aber sehr nachzuvollziehen. Das war wenig romantisch. Es erstaunt mich auch nicht, dass wir noch Ende des 19 Jahrhunderts eine Choleraepidemie hatten. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal.

Das alles hatte nichts mit dem zu tun, was man heute als Gängeviertel bezeichnet. Diese Häuser sind im Gegensatz dazu richtig modern. Einzig ihre enge Bebauung erinnert an die engen Gassen des Gängeviertels.

Vor einigen Jahren besetzten Künstler die zum Abriss freigegeben Häuser. Jeder kann sich anhand der folgenden Bilder selbst ein Urteil bilden, ob es sinnvoll ist diese zu sanieren oder doch alles der Abrissbirne zu Opfern.

Ich finde es generell schade, dass man diese Häuser überhaupt erst hat so verfallen lassen. Man hätte sich viel früher um deren Erhalt kümmern müssen. Das ist doch im Grunde der eigentliche Skandal.

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Wer bin ich?

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Gestern ist es mir mal wieder aufgefallen, wie schwierig und auch kompliziert es ist mit zwei Persönlichkeiten zu jonglieren.

Dabei bin ich eigentlich immer ich. Ich schaffe es nicht, Susan von Sigrun zu unterscheiden. Die eine schreibt eben gern Thriller und spannende Geschichten oder sogar Fantasy, während die andere beim Ursprung bleibt und sich Liebes-Geschichten widmet.

Der Schritt mir ein Pseudonym anzulegen war sicher gut, aber dennoch habe ich Schwierigkeiten die beiden Personen voneinander zu trennen.

Hier hat sich das ja schon lange zusammengetan. Denn auch wenn ich hier immer Susan bin, bin ich größten Teils doch auch Sigrun. Am Ende bin ich doch immer ich: wenn ich aus meinem Leben erzähle, wenn ich berichte, was mich bewegt.

Susan tut nichts, was Sigrun nicht auch machen würde.

Ich hätte mich natürlich wunderbar hinter Susan verstecken können und mit ihr ein komplett neues Image aufbauen können. Doch da ich als Sigrun anfing zu schreiben, kann ich die beiden Personen nicht voneinander trennen. Ohne Sigrun gäbe es Susan gar nicht.

Das hätte ich mir dann von Anfang an anders überlegen müssen.
Da ich aber in die Schreiberei geradezu reingeschlittert bin, konnte ich das damals noch gar absehen.

2008 hab ich einfach angefangen zu schreiben. Mehr als Experiment, ob ich wohl endlich in der Lage sein würde einen Roman zu vollenden. Was mir innerhalb von sechs Wochen gelang. Mehr recht als schlecht. Viele von euch erinnern sich bestimmt noch an blog.de-Zeiten und meine ersten Versuche.

Wer mich seither begleitet: Respekt, dass ihr euch das alles angetan habt. Und tausend Dank für euren Zuspruch und eure Geduld. Ohne euch hätte ich es nie wo weit gebracht.

Tja, und dann wurde irgendwann Susan geboren. Mehr aus einer Laune heraus und weil jemand meinte, wenn ich das Genre wechsle wäre ein Pseudonym das Beste. Was ja unterm Strich auch stimmt.

Dennoch, ich kann mich nicht als Persönlichkeit teilen und als Susan jemand anderes sein.

Daher berichte ich ja hier nun auch über mein neues Werk, dass ich wieder als Sigrun schreibe.

Nachdem ich drei Jahre an der Schmetterlings-Trilogie geschrieben habe und zuvor zwei Thriller schrieb, wollte ich eigentlich gar nicht mehr zurück zum Genre Frauen-Literatur oder einfach gesagt: Liebes-Geschichten.

In meinem Thrillern als auch in der Trilogie ging es ja auch im Grunde immer um die Liebe. Der Ansatz der Geschichten war eben nur ein anderer.

Und nun habe ich mich zurück zu den Wurzeln begeben, was mir anfänglich wirklich richtig schwer fiel. Ich empfand es als viel zu langweilig. Doch je mehr und je tiefer ich in die Geschichte eindrang, desto mehr wuchs meine Freude daran. Jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem ich süchtig nach meinem Protagonisten bin. Ich bin gespannt, was sich meine Charaktere noch alles einfallen lassen werden.

Natürlich steht der Plot und ich weiß, was passieren wird, weiß, wie das Ganze ausgehen wird. Aber es ist doch immer so, und gerade bei Dialogen ist das der Fall, dass ich überrascht bin, was alles aus mir herauskommt. Es ist so, als würden in mir noch viel mehr Personen wohnen als nur Sigrun und Susan.

Ich werde eins mit meinen Charakteren, die mir teilweise in ihrem Wesen doch so fremd sind.

Das ist es wahrscheinlich, was mich antreibt und was den Spaß am Schreiben ausmacht.

Blödes Abnehmen

Inzwischen älter, aber kein bisschen Weise und im Prinzip hat sich auch kein bisschen was geändert.

Mein gesamtes Leben kämpfe ich mit meinem Gewicht. Dass es eines Tages mal um einige Kilos zu viel handeln würde, damit hätte ich noch als junge Frau nie gerechnet.

Seit meiner Kindheit bin ich zu dünn gewesen. Meine Mutter meinte, bereits als Baby sei ich viel zu leicht gewesen. Als Kind hatte ich eigentlich immer zehn Kilos Untergewicht. Was für ein Kind enorm viel ist. Jede leichte Krankheit und erst recht die bekannten Kinderkrankheiten waren eine echte Bedrohung.

Zwei Mal wurde durch Kinderland-Verschickung versucht mich aufzupäppeln. Was nie gelang. Ich nahm überhaupt nicht zu. So wog ich noch mit 18 Jahren 45 Kilo. Was selbst bei einer Körpergröße von 165 cm viel zu wenig war.

Mit Anfang 20 wollte ich es endlich ändern. Ich fühlte mich nie wohl. Ging nie gern in die Badeanstalt. Ich schämte mich so sehr für meine Dünnheit. Ich bestand quasi nur aus Haut und Knochen. Was auch bei dem anderen Geschlecht nur minder Begeisterungsstürme auslöste und ich daher eigentlich nie wirklich einen festen Freund hatte.

Bis ich 20 war, wollte ich wenigstens die 50 Kilo-Marke knacken. Daher aß ich pausenlos. Machte mir einen Plan, was viel Kalorien hatte. Ernährte mich quasi nur noch von Nudeln und allerlei Zucker und Fett oder noch besser in der Kombination dessen.

Tatsächlich schaffte ich nach einigen Monaten ein paar Kilo. Und dann endlich sah ich die Nadel bei 50 Kilo ausschlagen. Doch nur einen Nachmittag hatte ich vergessen zu essen und schon hatte ich wieder ein Kilo weniger. Und konnte das nicht ebenso leicht mit einem Nachmittag fetten Essen wieder aufholen.

Als ich dann meinen Mann kennenlernte wurde es besser. Wir aßen sehr regelmäßig. Er war auch viel zu dünn und so versprachen wir uns, dass wir gemeinsam zunehmen und aufeinander acht geben.

So schaffte ich es tatsächlich auf 55 Kilo.
Mein absolutes Wohlfühlen-Gewicht.

Doch so sollte es nicht bleiben.

Ich machte mich mit Anfang dreißig selbstständig. Schaffte es nicht mehr regelmäßig zum Sport und aß sehr viel ungesundes Zeug und vor allem meist spät am Abend.

Bei 75 Kilo und der Kleidergröße 40, aus der ich bereits begann herauszuwachsen, zog ich die Reißleine. Zukünftig sollte es nur noch eine Richtung geben: die nach unten.

Daher veränderte ich mein Leben. Ging wieder regelmäßig zum Sport und strich die Hälfte der liebsten Lebensmittel von meinem Speiseplan. Anderthalb Jahre und sehr viel Quälerei später, hatte ich endlich 18 Kilo abgenommen.

Niemals wieder wollte ich durch die Hölle des Abnehmens gehen und schwor mir, dass ich mir das NIE wieder antun werde und zunehme.

Schlimm war dann noch die Phase des Abnehmens, in der es kein Ende nach unten gab. Ich wurde wieder viel zu dünn und war kurz davor in eine Magersucht abzurutschen. Egal wie dünn ich war, ich fühlte mich zu dick. Das war nicht mehr schön. Der Grad ist schmal und man muss wirklich aufpassen.

Bis zum Januar letzten Jahres hatte ich das ansatzweise gut im Griff.

Über die Jahre habe ich wieder zugenommen. Was wohl mehr dem Alter geschuldet war. Da nimmt man eben zu und kann es nicht ändern.

Ich fühlte mich aber dennoch immer wohl und nie zu dick. Alles war gut.

Bis ich eben letzten Jahr krank wurde.
Anfänglich nahm ich natürlich fürchterlich ab. Doch kaum waren die ersten Monate verstrichen und der Appetit kam zurück, nahm ich zu. Sport durfte und konnte ich ja schließlich nicht machen. Aber essen ging wunderbar.

Und so habe ich es geschafft in einem Jahr zehn Kilo zuzunehmen.

Ich weiß, es ich Jammern auf sehr hohen Niveau. Im Prinzip ist alles gut. Für mein Alter ist es angemessen und niemand würde von mir behaupten, dass ich dick bin. Außer mir.

Ich fühle mich unwohl. Bin nicht mehr so beweglich wie zuvor.
Das Schlimmste aber ist, dass mir NICHTS mehr passt.
Das nervt mich am meisten.

Und das muss nun anders werden.

Daher muss ich mich erneut diesen blöden Schwachsinn des Abnehmens widmen.
Etwas, dass ich hoffte, nie mehr in meinem Leben machen zu müssen.

Und sonst so?

Derzeit besteht mein Körper nur aus Schmerzen.
Schmerzen, deren Ursprung ich selbst zu verantworten und zu verschulden habe.

Kaum hatte ich den Muskelkater vom Montag ansatzweise überwunden, musste ich mich erneut dem Kampf mit der nichtvorhandenen Fitness stellen.

Am Wochenende beschossen wir uns dem Streichen des Flures anzunehmen. Ein Raum, der nicht besonders groß ist und daher auch sicher schnell Farbe an die Wand zu bringen sei. Was am Ende auch der Fall war. Das ging wirklich zackig. Blöd nur, dass die Vorarbeiten, also das Putzen und Abkleben mehr als doppelt so viel Zeit in Anspruch genommen hatte. So war ich also den Samstagnachmittag damit beschäftigt, sechs Türen in einer Altbauwohnung abzukleben.

Da ich nicht besonders groß bin, bedeutete das, immer wieder rauf und runter von der Leiter. Ja, ich traute mich auf die Leiter. Am Sonntag sogar ganz nach oben, bis fast unter die Decke. Das ging aber nur deshalb, weil ich mich an der Wand festhalten konnte und ich NIEMALS nach unten sah. Ich weiß, was meine Höhenangst angeht, bin ich ein echtes Weichei.

Am Sonntag wollten wir dann streichen. Und da ich ja so schön vorgearbeitet hatte, dachte ich mir, es sei eine super Idee mit einem Freund am Vormittag zu joggen.

Ich bin ja EWIG nicht mehr um die Alster gelaufen. Im letzten Jahr bin ich einmal zu Fuß darum gelaufen. Ehrlicherweise sind wir auch dieses Mal nicht die gesamte Strecke gelaufen, das hab ich einfach nicht geschafft.

Da ja im Moment generell alles schlimm ist, was mit Sport zusammenhängt, war es auch egal, dass ich im Grunde am Vormittag zu nichts zu gebrauchen bin. Sonntags ist der Weg um die Alster nicht unbedingt der Ort, an dem ich sein möchte. Doch gestern war es gar nicht so schlimm, denn es regnete teilweise wie aus Eimern. Daher lag über allem eine herrliche Ruhe.

Natürlich sind IMMER Jogger unterwegs.
Ich habe es nur ein einziges Mal erlebt, dass ich beim Joggen nur EINEM weiteren Läufer begegnete. Das war am 1. Weihnachtstag in einem Jahr, als es zuvor viel geschneit hatte. In der Nacht hatte es getaut und zudem zu Regnen angefangen. Am nächsten Morgen war alles matschig und wirklich richtig eklig. Mit jedem Schritt versank ich bis zu den Knöcheln im kalten Schneematsch. Zudem war es so glatt, dass ich teilweise auf der Straße lief. Weil es der 1. Weihnachtstag war, war das kein Problem, weil nicht mal im Auto jemand auf die Straße wollte.

Aber ich schweife ab …

Gestern meinte der Freund, ich würde das Tempo vorgeben und die Ansagen machen. Das kann ich ja echt total schwer. So lief ich die meiste Zeit hinterm her und war darum bemüht an ihm dran zu bleiben. So lange, bis ich echt nicht mehr konnte und wir ein Stück gingen.

Es war wieder so wie am Montag: ich wusste nicht was schlimmer war, laufen oder gehen. Die Schmerzen waren unterschiedlich, aber nicht weniger schlimm.

Alles eher unerfreulich und ich bin TOTAL genervt.
Aber ich weiß auch, dass das Jammern auch sehr hohen Niveau ist. Und das ist dann auch wieder ein gutes Gefühl.

An den Muskelkater gewöhne ich mich auch noch. Vor allem aber hoffe ich, dass er auch irgendwann mal ausbleibt.

Um daran zu arbeiten, haben der Freund und ich beschlossen uns jetzt regelmäßig am Sonntag-Vormittag zu treffen. Wenn es gut läuft, dann schaffe ich auch noch einmal in der Woche den Weg nach Hause joggender Weise zu nehmen.

Bilder im Kopf

Vor einiger Zeit sinnierte ich bereits über die Entwicklung, der visuellen Darstellung unseres Lebens.

Ist es dem Mangel an Zeit geschuldet, dass wir uns nur noch schnell ein paar Bild ansehen können?

Beachtlich ist zudem die Schnelligkeit in der das geschieht.
Mit einer wischenden Handbewegung werden Bilder so schnell an unserem Auge vorbei über das Display des Smartphones gewischt, dass es kaum möglich erscheint dessen Inhalt überhaupt zu begreifen oder abzuspeichern.

Nur selten verharrt man für einige Sekunden. Wischt dann aber schnell und meist gelangweilt weiter zum nächsten Bild.

Gestern habe ich nach sehr langer Zeit mal wieder mein Twitter-Profil besucht. Ich erinnerte mich, dass es bei Twitter eigentlich ganz nett war. Wenn man den richtigen Leuten folgt, dann ist das sehr amüsant und hilft wunderbar beim Prokrastinieren.

Facebook fängt langsam an mich zu langweilen. Weil es eben dort nur noch Bilder zu sehen gibt. Und diese sind meist oft ohne nutzbaren Inhalt.

Erschreckt war ich nun, dass es bei Twitter ganz genauso abläuft. Man scrollt durch einen Überfluss an Bildern vorbei. Übersieht dadurch sogar die guten Beiträge, in denen sich jemand noch die Mühe macht und ein paar Wörter tippt.

Ich finde es sehr schade, dass wir uns nicht mehr in der Lage sehen ein paar Minuten Zeit zu nehmen und sich Inhalten zu widmen. Sich durch Worte eigene Bilder in den Kopf zu zaubern.

Katerstimmung

Kampf-dem-Muskelkater

Nur nicht in dem Sinn, wie man sich das üblicherweise vorstellt. Denn weder mein Verstand hat sich einem sogenannten Kater ergeben, noch mein Kopf im allgemeinen.

Die Verkaterung ist in diesem Fall anderer Natur. Dafür aber nicht weniger lästig oder unangenehm.

So wie ich es bereits vermutet hatte ist der zweite Tag immer schlimmer.

Dennoch bin ich erstaunt, dass ich mich überhaupt noch bewegen kann. Nachdem, wie ich mich am Montag fühlte.

Erstaunlich aber dennoch, an welchen Stellen meines Körpers sich überall Muskeln befinden. Durch das Jahrelange Joggen war mir nicht mehr bewusst, welche Körperregionen durch das Laufen in Anspruch genommen werden: nämlich ALLE!

Ein Beweis dafür, dass dies genau der richtige Sport für mich ist. Ich bin nämlich entsetzlich faul. Auch wenn man das nicht bei mir vermutet und ich grundsätzlich immer wieder darauf hinweisen muss. Aber ich bin wirklich sehr faul. Ich habe lediglich gelernt manche Dinge trotz meiner Faulheit umzusetzen. Auch wenn sie mir keinen Spaß machen, so weiß ich aber doch um den Nutzen und so bin ich dann manchmal auch fleißig. Oder tu zumindest so als ob. Und das schaffe ich sogar ganz gut.

Ich fühlte jedenfalls bereits, wie sich mein Körper stählt.

Einbildung ist auch eine besondere Gabe, der ich mich sehr gern hingebe.

Noch hadere ich mit mir, ob ich es wagen sollte mich mal wieder auf die Waage zu stellen. Das nimmt meist kein gutes Ende. Andererseits weiß ich dann auch nicht, wie viel ich am Ende tatsächlich abnehme. Wenn ich denn abnehme. Was ja das Ziel ist.

Wobei das eigentlich Ziel ist wieder in meine Klamotten zu passen. Da spielt es keine Rolle, wie viel ich am Ende tatsächlich weniger auf die Waage bringe. Außerdem wiegen Muskeln ja mehr als Fett. Also auch Kontraproduktiv.

Das kurzfristige Ziel ist jedenfalls die Überwindung des Muskelkaters. Aber ich fürchte, der wird in den nächsten Wochen ein stetiger Begleiter sein. Ebenso wie die Schweinehunde, die sich mal wieder gemütlich unter meinem Schreibtisch eingerichtet haben.

Ich habe sie nicht vermisst.

Mann, war das anstrengend

Das es so schlimm werden würde, damit hab ich dann doch nicht gerechnet. Als ich los lief, dachte ich noch, hey, das geht doch ganz gut, ich habe es nicht verlernt. Doch nach den ersten Metern taten mir so derart die Beine weh, dass ich dachte, es nie bewältigen zu können.

Ich weiß, es könnte ein Fehler gewesen sein, gleich die lange Strecke zu laufen. Doch ich hatte mir vorgenommen, so wie immer den Weg vom Büro nach Hause zu nehmen. Der Weg ist das Ziel. Tatsächlich kann ich mich so besser überwinden, als wenn ich erst nach Hause fahre und mich dort umziehe, um dann noch mal los zu müssen.

In so einem Fall sind die inneren Schweinehunde einfach übermächtig.

Obwohl die Strecke beinah 10 km lang ist, finde ich es nicht so schlimm.
Aber gestern war ich bereits nach dem ersten Kilometer so derart am Ende, dass ich kurz davor war meinen Mann anzurufen, damit er mich abholt.

An jeder Ampel war ich auf der einen Seite froh ausruhen zu können, andererseits aber merkte ich im Stillstand so sehr meine Muskeln, dass ich es kaum aushalten konnte.

Erstaunlicherweise war ich keine einzige Minute außer Atem. Was kein Wunder ist, bei dem langsamen Tempo, dass ich lief. Anfänglich hatte ich zwar Schwierigkeiten richtig tief durchzuatmen, was sich dann aber nach einiger Zeit legte und ich mich an den Rhythmus des Laufens gewöhnte.

Woran ich mich gar nicht gewöhnen konnte, waren die Schmerzen in den Beinen.  Ich laufe nun seit dem Jahr 2000. Anfänglich auch unter Schmerzen, obwohl ich zudem noch ins Sportstudio ging. Damals konnte ich mir nicht vorstellen jemals Gefallen am Joggen zu finden. Das war einfach nur schlimm. Im ersten Jahr habe ich mich nur gequält und frage mich noch heute, warum ich überhaupt durchgehalten habe?

Wahrscheinlich lag es wieder einmal an meinem krankhaften Ehrgeiz. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann MUSS ich das machen. Aufgeben gibt es nicht. Erst wenn ich es geschafft habe, kann ich darüber nachdenken es zukünftig bleiben zu lassen.

Doch als ich mich tatsächlich ein Jahr mit Joggen gequält hatte, fand ich es gar nicht mehr so schlimm. Ganz im Gegenteil, machte es richtig Spaß und ich hatte den Ehrgeiz es in kürzester Zeit um die Alster zu schaffen. Zudem stählte es meinen Körper und ich sah – jetzt zurückblickend – verdammt gut aus. Hinzu kam, dass ich essen konnte, was immer ich wollte. Ich nahm einfach nie mehr zu. Ein Zustand der wirklich nicht zu verachten ist.

In den letzten 18 Jahren gab es immer wieder Phasen, in denen ich krankheitsbedingt nicht laufen konnte. Manchmal sogar drei Monate nicht. Doch noch nie habe ich über ein Jahr aussetzen müssen.

Meine Fitness war derart gut, dass ich nie merkte, wenn ich mal einige Zeit nicht aktiv war. Es spielte einfach keine Rolle. Ich lief einfach wieder und alles war wie immer.

Dieses Gefühl, als wäre man im Leben noch NIE gelaufen und hätte auch noch NIE Sport getrieben, kenne ich nicht.

Gestern durfte ich es kennenlernen. Und ich muss sagen, es gefällt mir gar nicht.
Ich fühle mit jedem, der sich vornimmt endlich mal Sport zu treiben. Ich verstehe, welche Schweinehunde man überwinden muss. Vor allem, wenn einem hinterher einfach ALLES weh tut.

Es ist kein gutes Gefühl. Und erst recht kein Glücksgefühl.
Gestern lief ich nicht mal die gesamte Strecke, einen Teil bin ich eher dahin gekrochen als gegangen. Normale Fußgänger waren schneller als ich. Ich konnte einfach nicht mehr. Als ich dann endlich meinen Lieblingsblick über die Alster hatte, konnte ich mich nicht mal darüber freuen.

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Dabei war es total schön. Obwohl es bewölkt war, war es herrlich warm. Die Grillwiese war voller Menschen. Ein wundervoller lauschiger Abend.
Normalerweise setzte ich mich immer noch für einen Moment an die Wasserkante und genieße den Ausblick. Das ist immer ein Moment des Glücks. Für diesen Augenblick ist einfach alles gut.

Gestern war ich einfach nur kaputt.

Dafür spüre ich heute jeden Knochen. Erstaunlicherweise ist der Muskelkater ausgeblieben. Doch ich lobe nicht den Tag vor dem Abend, da ich weiß, dass der zweite Tag meist sehr viel schlimmer ist.

Aber ein Gutes hat es trotz allem: Ich spüre auch, dass sich etwas in meinem Körper tut.
Was mich wiederum optimistisch in die Zukunft blicken lässt, dass ich es doch noch irgendwann schaffe ansatzweise meine Form wiederzufinden.

Auch wenn ich soweit Realist bin und weiß, dass ich mit über 50 nicht mehr aussehen werden wie noch vor zehn Jahren.

Aufgeregt

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Heute ist es also soweit. Ich freu mich im gleichen Maße, wie ich aufgeregt bin.
Seit über einen Jahr hab ich sie nicht mehr angezogen. Ich bin mir sicher, sie werden noch passen. Bei allem anderen weiß ich das nicht so genau, denn ich hab doch glatt zugenommen. Da ich mich so gut wie nie wiege, kann ich nur eine Schätzung abgeben. Aber an die 10 kg werden es sein.

Alle sind immer total freundlich zu mir und meinen, dass man es mir nicht ansieht. Das ist natürlich nett, aber ich weiß ja, dass mir nichts mehr passt. Das muss nun also anders werden. Kampf den überschüssigen Kilos.

Mal sehen, wie sich das entwickeln wird. Ob ich zuversichtlich bin? Eher nicht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

In erster Linie bin ich froh, dass ich mit diesem Schritt endlich mein Leben zurückbekomme. Damit ist dann endlich die Krankheitsphase abgeschlossen.

Das allein macht mich sehr glücklich.

In diesem Sinn wünsche ich euch allen einen schönen Feierabend. Macht was draus und seid ebenso fröhlich wie ich.