Geschichten von der Weltbesten Freundin

Erinnert ihr euch noch?
Das ist wirklich lange her, dass ich diesen Titel verwendet habe.

Und leider kommt hier jetzt kein Eintrag von einer Nacht mit Tanzen und ganz viel Spaß haben.

Und das nicht nur, weil die Pandemie derlei Veranstaltungen derzeit unmöglich macht.

Früher, als ich Anfang vierzig war, dachte ich darüber nach, ob ich je so alt werden könnte, dass ich nicht mehr ausgehen mag. So alt, dachte ich, kann ich NIE werden.

Selbst als ich fünfzig wurde, hatte ich nach wie vor Spaß am ausgehen und die Nacht zum Tag zu machen.

Doch ehrlicherweise muss ich gestehen, dass es doch viel anstrengender wurde. Nach einer durchzechten und durchtanzten Nacht brauchte ich drei Tage bis ich den Jetlag des bis in den Morgengrauenaufbleibens überwunden hatte. Doch es hielt mich in keiner Weise ab es wieder zu tun.

Aber die Abstände wurden immer größer.

Dennoch freute ich mich wahnsinnig mich mit der Weltbesten Freundin zu treffen. Wir hatten so viel Spaß.

Und dann wurde ich krank.

Aber selbst das konnte mich nicht davon abhalten auszugehen. Ich konnte nicht so viel – oder besser gar nicht – tanzen, aber es machte dennoch Spaß.

Nach der Krankheit kam dann leider die Erschöpfung, die bis heute anhält und eigentlich immer schlimmer wurde.

Heute kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen auszugehen. Ich würde das nicht mehr schaffen.
Dem trauere ich neben vielen anderen Dingen wirklich nach.

Aber was soll’s, ich habe wundervolle Erinnerungen. An viele Wochenenden in viele Jahre in denen wir tanzten und unglaublich viel Freude dabei hatten. Ja, auch teilweise zu viel getrunken hatten. Müde und manchmal auch wankend nach Hause gingen. Dabei die Sonne haben aufgehen sehen und einfach das Leben genossen haben.

Was also soll ich mich grämen?

Wer weiß, vielleicht hätte ich auch so irgendwann keinen Bock mehr darauf gehabt.

Und abgesehen davon, geht das ja ohnehin nicht mehr. Jetzt jedenfalls noch nicht.

Und die Hoffnung stirbt zuletzt: Vielleicht werde ich ja doch irgendwann wieder so fit sein, dass es dann wieder einen richtigen Eintrag von der Weltbesten Freundin geben wird.

Öko-Braut

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich in den tiefen meines Herzens eine Öko-Tussi bin?

Das fing im zarten Alter von 16 Jahren an. Damals habe ich damit meine Familie in den Wahnsinn getrieben. Meine Mutter fand’s gut und hat brav mitgemacht, während mein Vater meinte, das sei ihm alles mehr oder weniger egal, schließlich würde er bezahlen und es würde ihm nicht einfallen weder Wasser noch Strom zu sparen. Auf sein Auto wollte er schon gar nicht verzichten und fuhr weiterhin selbst die kürzesten Strecken. (Das ist heute allerdings anders und seine Einstellung hat sich zum Glück verändert.)

Ich habe aber nicht nur andere genervt, sondern hab das selbst durchgezogen. Was zugegebener Maßen früher einfacher war als heute. Es gab noch kein Internet. Folglich hatte man auch kein Smartphone, konnte nicht streamen und andere tolle Dinge damit machen.

Wir trafen uns in der realen Welt und sprachen direkt miteinander.

Eine Freundin wanderte damals nach Australien aus. Die Kommunikation war langwierig. Wir schickten uns gegenseitig aufgenommene Kassetten mit Sprachnachrichten und der aktuellen Musik, die man hörte. So eine Nachricht war dann gute sechs Wochen unterwegs. Nach weiteren sechs Wochen und ein paar Tagen – schließlich musste die Nachricht ja auch erst aufgenommen werden – erhielt man dann Antwort.

Waren echt andere Zeiten damals und das Leben verlief sehr langsam.

Dennoch: ich versuchte mein Bestes, um die Umwelt nicht über die Maßen zu belasten.

Dazu gehörte selbstverständlich mit dem Fahrrad zu fahren. Das tat ich im Grunde eigentlich immer. Selbst als ich dann mit Ende 20 mein erstes Auto hatte, – meine Eltern schenkten mir den alten Wagen meiner Mutter – ließ ich es meist stehen und fuhr weiter mit dem Rad.

Eine Zeitlang kaufte ich viel im Reformhaus, ernährte mich meist vegetarisch. (Das mache ich heute eigentlich auch noch, aber ich denke darüber nicht mehr so viel nach wie früher. Ich mache es einfach. Kein Grund darüber zu sprechen.)

Bis heute vermeide ich Müll. Ich bin immer überrascht, wie wenig wir produzieren. Das fällt mir gerade jetzt auf, wo wir oft im Haus sind und jeder seine eigene Tonne hat. Unsere wird selten voll, außer mit Gartenabfall. Bei den Nachbarn beobachte ich, dass oft der Deckel nicht mehr ganz schließt.

Der Wertstoffsack wird alle 14 Tage abgeholt und ist meist nur bis zur Hälfte gefüllt.

Aber der Konsum an Wertstoffen hat mich doch arg gestört. Mit fiel aber nicht wirklich eine Lösung ein. Außer dem, was man eben machen kann.

Aber wie ist es beispielsweise mit Shampoo, Cremes und Zahnpasta?

Auf Plastik zu verzichten ist echt schwer und mir scheint das kaum umzusetzen. Vor allem, weil ich dann doch keine Lust habe mein Leben damit auszufüllen, mir Gedanken zu machen, wie ich das bewerkstelligen soll.

Frühe machte ich deshalb meinen Joghurt selbst. Der schmeckte 1. besser und 2. verursachte das keinen Müll.
Ich hatte sogar eine Phase, in der ich meine Kosmetik selbst machte. Früher gab’s so tolle „Spinnrad“-Läden, da bekam man einfach alles. Heute müsste ich das wohl im Internet bestellen. Das mache ich nur im äußersten Notfall, wenn es gar nicht anders geht.

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert und man bekommt wirklich viel in ganz normalen Drogerie-Fachgeschäften. Und die Unverpackt-Läden gibt’s ja auch, und da bekommt man schon recht viel.

Jetzt habe ich es mit festen Shampoo versucht. War sehr gespannt, wie meine Locken das vertragen.

Was soll ich sagen: sie finden es SUPER!

Als nächsten ist mal Zahnpasta in Tablettenform dran.

Endlich!

Ich habe nicht damit gerechnet und kann es noch gar nicht richtig realisieren:

Nächste Woche habe ich meinen ersten Impftermin!

Und ich bekomme sogar das „gute“ Zeug. Was anderes hätte ich aufgrund meines Alters und der Vorerkrankungen auch nicht nehmen können.

Ich war schon total frustriert.

Heute morgen las mein Mann in der Zeitung, dass ab nächste Woche die Diabetiker dran sind. Somit also auch mein Mann. Ich freute mich echt für ihn. Immerhin einer von uns beiden, der dann bald mit Erleichterung leben kann.

Ich dachte schon, dass ich es mal versuche und die Betreuerkarte ausspiele. Immerhin bin ich Betreuer für den Lebensgefährten meiner Schwiegermutter und muss somit auch regelmäßig ins Pflegeheim. Außerdem wollte ich heute meinen Arzt fragen, ob ich aufgrund des Hashimoto auch berechtigt wäre.

All das war gar nicht nötig, bzw. hat sich mein Mann darum gekümmert. Er hatte seine Hausärztin per Mail angeschrieben und befragt. Erst kam eine Antwort, dass derzeit derart viele Anfragen kämen, dass man sich bitte gedulden möge. Heute rief sie ihn an und bestätigte ihm den Termin in der nächsten Woche.

Da ich in der gleichen Praxis, nur bei einem andern Arzt bin, fragte mein Mann, ob ich nicht auch gleich einen Termin haben könnte. Und … JA!

Ich kann es echt noch gar nicht glauben. Ich bin ehrlicherweise davon ausgegangen, dass ich eventuell und vielleicht dann mal im September oder Oktober noch noch später dran bin.

Jetzt bekomme ich Mitte Juli mein Leben zurück!

Endlich muss ich nicht mehr in Isolation leben und vor allem muss ich nicht mehr diese fiesen FFP2-Masken tragen und kann wieder auf OP-Maske umsteigen.

Für mich ist das Tragen der Maske ohnehin schwer. Und obwohl ich ja ein Attest habe, hab ich das nie genutzt. Das war mir irgendwie zu blöd und außerdem schützt die FFP2-Maske mich ja auch.

Aber aus diesem Grund bin ich quasi nirgends gewesen, wo ich länger hätte eine Maske tragen müssen.

MANN, ich bin grad so glücklich!

Euch ein schönes Wochenende und ich hoffe, dass bald alle dran kommen und geimpft werden können.

Schreiben

Durch das ganze private Chaos ist das Schreiben leider mehr oder weniger auf der Strecke geblieben. Von anfänglicher Frustration bis hin zu gelassener Wut und einem gewissen ist-mir-jetzt-alles-egal-Zustand, war alles dabei.

Das neue Projekt, dass bereits Formen angenommen hatte – der Plot stand, alle Charaktere waren ausgearbeitet, die Recherche weitestgehend abgeschlossen, die ersten Kapitel bereits geschrieben – hab ich seither auf Eis gelegt. Ich konnte dafür einfach keine Ruhe finden. Dabei wäre die Zeit in der ersten Welle der Pandemie optimal dafür gewesen. Aber dennoch konnte ich mich nicht aufraffen. Habe lieber im Garten gewerkelt oder das Haus geputzt.

Also klassisch prokrastineirt.

Was eigentlich nicht meine Art ist.

Aber sei es drum.

Dennoch habe ich immer wieder mal zwischendurch an alten Projekten gearbeitet.

Da ist zum Beispiel mein Erstlingswerk. Der Plot gefällt mir nach wie vor gut. Aber ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich damals wirklich absolut KEINE Ahnung vom Schreiben hatte.

Mann, war das ein schlechter Roman. Unmöglich und wirklich, wirklich richtig schlecht! Im Nachgang schäme ich mich echt dafür, dass ich ihn unters Volk gebracht habe. Also einigen wenigen meiner Freundinnen geben hatte und – einige erinnern sich vielleicht – bei blog.de veröffentlich hatte.

Dabei bekam ich damals großen Zuspruch und hatte treue Leser, die wissen wollten wie es ausgeht. Wir gut, dass ich das lediglich als Test laufen ließ und kein Geld dafür genommen habe. Das hätte sicher auch niemals jemand bezahlt, oder wenn, sich dann maßlos über den Schund geärgert.

Wie dem auch sei. Der Plot ist gut.

Also habe ich angefangen den Roman komplett zu überarbeiten. Dieses Mal aber richtig.

Bin im Prinzip damit umgegangen wie bei einem neuen Werk. Habe die Charaktere überarbeitet, die Archetypen bestimmt und den ganzen Plot umgestellt. Vor allem habe ich an der Dramaturgie gearbeitet. Die war ja vorher quasi nicht vorhanden, weil ich eben keine Ahnung davon hatte.

Ich bin so verdammt froh, dass ich mich damals entschloss die Weiterbildung zu machen und das Schreiben richtig zu lernen. Jedem, der Lust dazu hat, und das Schreiben professionell umsetzten will, kann ich das wärmstens empfehlen.

Ich bin bei dem Projekt noch immer nicht an dem Punkt angelangt, an dem es ans Schreiben geht. Noch sind es die Vorarbeiten, die auch Spaß machen, die aber auch vielmehr an Arbeit erinnern.

Zeitgleich habe ich meinen Roman „Sommernachts-Grauen“ überarbeitet. Hier habe ich im Prinzip nichts weiter getan, als ihn nochmals zu lesen und einige Formulierungen, die mir jetzt nicht mehr so gut gefielen, zu ändern.

Zudem dachte ich, sei es ganz hübsch einige Karten einzubinden.

Kritik an dem Werk gab es in der Form, dass man sich schlecht einfinden konnte, da viele Straßennamen und Orte genannt werden. Nur wer sich in Hamburg auskennt, konnte das Buch wohl wirklich genießen. Das wollte ich damit ändern. Zudem habe ich mir die Mühe gemacht und zu den gebrauchten Straßennamen eine Erklärung geschrieben. Außerdem wird es eine Legende über die Charaktere geben. Auch das war ein Kritikpunkt: es gäbe zu viele Namen und man würde den Überblick verlieren.
Dabei ist jeder einzelne Charakter wichtig für die Geschichte.

Ich hoffe, ich kann das Buch dann bald Veröffentlichen. Vor allem bin ich gespannt, ob es Leser geben wird, die sich über den Mehraufwand freuen.

So geht es also doch ein wenig mit der Schriftstellerei voran. Wenn auch ganz anders als geplant oder gedacht.

So ist das Leben

Ich würde wirklich gern andere Einträge schreiben. Im Grunde würde ich gern die Zeit zurückdrehen. Würde gern wieder unbeschwert leben.

Aber so ist das Leben nicht.

Ganz im Gegenteil kann das Leben mitunter ein echtes Arschloch sein.

Dabei ist das, was ich gerade durchlebe, ein ganz normaler Verlauf. Das gehört zum Leben eben dazu.

Dass es mir zudem körperlich nicht gut geht, trägt nicht dazu bei meine Laune zu bessern.

Ich berichtete bereits von meinen Eltern. Das Verhältnis zu meiner Mutter war immer eher angespannt. Früher habe ich sogar behauptet, dass, wenn sie mal so alt wird, dass sie Hilfe braucht, ich sie eher verschimmeln lassen würde, als mich zu kümmern.

Diese Aussage fanden alle immer sehr schlimm und glaubten dem nicht. Schließlich ist es doch meine Mutter. Ehrlich: drauf geschissen!

Aber ich schweife ab, schon wieder.

Ich tue alles nur aus einem Grund: weil ich meinen Vater nicht mit all dem allein lassen kann und will. Er ist zunehmend überfordert. Auch und gerade emotional.

Also helfe ich wo ich kann.

Was dazu führte, dass ich heute mit der Ärztin in der Dialyse gesprochen habe.

Es sieht nicht gut aus. Sehr vorsichtig und behutsam erklärte sie mir, dass es langsam mit meiner Mutter „zu Ende“ geht. Sie wollte sich nicht direkt äußern und sprach jede Problematik durch die Blume an. Doch mir war durchaus klar, was sie meinte und ich hatte mich ehrlicherweise schon lange damit befasst. War eher erstaunt, dass meine Mutter so lange durchhält.

Aber das kann ich doch meinem Vater nicht sagen. Wenn er nicht ohnehin schon weiß, wie es um sie bestellt ist, schließlich lebt er mit ihr zusammen.

In mir wallen grad viele Emotionen durcheinander.

Jeder, der seine Eltern bereits verloren hat, weiß was ich meine. Und alle anderen, die ihre Eltern noch haben, wissen, dass es eines Tages soweit kommen wird.

Dabei bin ich mir nicht mal sicher, wovor ich genau Angst habe.

Dass sie eines Tages gehen werden, damit habe ich mich schon lange beschäftigt. Das tun wahrscheinlich alle, deren Eltern ein gewissen Alter erreicht haben. Das Leben ist eben endlich.

Ich spüre, dass ich mit der Situation total überfordert bin. Mich am liebsten unter die Decke verkriechen würde. Mich wie ein kleines Kind an meinen Vater kuscheln und hören möchte, wie er mir sagt, dass alles gut wird.

Ich hoffe sehr darauf, dass eines Tage meine Einträge wieder fröhlicher werden. Weil ich es bin und weil das Leben dann doch nicht immer ein Arschloch ist.

Warum nur?

Warum ist es noch immer so kalt?

Warum ist der Monat auch schon wieder vorbei?

Warum ist das Leben mitunter so anstrengend?

Warum gibt es blöde und unhöfliche Menschen?

Fragen über Fragen.

Für die es meist keine vernünftige oder gar keine Antwort gibt.

Sich über die Pandemie zu echauffieren ist so müssig wie sich über das Wetter aufzuregen. Das sind Dinge, die ich hinnehmen muss und nicht ändern kann.

Aber ich schweife ab, schon wieder.

Was ich mich frage, und worauf ich ganz sicher auch keine anständige Antwort bekomme, warum sich Menschen, vorzugsweise Frauen, jünger machen, als sie sind?

Das ist etwas, was ich noch NIE verstanden habe.

Wenn ich nicht älter werden will, ist es doch total bescheuert zu behaupten ich sei 29. Mit Mitte Dreißig bleibt man dann eine Dekade lang in diesem Alter und so geht es munter weiter.

Das mag mit Ende zwanzig noch funktionieren.

Ich würde mir total beknackt vorkommen, wenn ich jetzt behaupten würde, ich sei Mitte vierzig. Denn für Mitte vierzig würde ich dann verdammt alt aussehen. Jeder würde sich erschrecken und denken, was ich in meinem Leben falsch gemacht habe, dass ich bereits in dem Alter so fertig aussehe.

Ich hatte das Glück, dass ich mein Leben lang deutlich jünger eingeschätzt wurde. Was mich als Teenager verzweifeln ließ, weil ich mit 16 noch aussah wie 12. Mit Mitte zwanzig dachten alle ich sei ein junger Teenager. Und so ging es immer weiter. Mit Vierzig dachten alle, ich sei so alt wie meine zehn Jahre jüngere Freundin und ich sei eine Schulkameradin von ihr.

Ich fand es immer total klasse zu sagen, wie alt ich tatsächlich bin.

Das Erstaunen in den Augen war eher anerkennend als denn entsetzt.

Von daher verstehe ich wirklich nicht, wie man freiwillig alt aussehen möchte, obwohl man sich vielleicht sogar für sein alter gut gehalten hat, aber eben aussieht wie eine alte Schrapnelle, wenn man behauptet, man sei zehn Jahre jünger.

Angst

Ich hätte nie gedacht, dass es tatsächlich mal soweit kommt.

Heute war es allerdings soweit. Ich hatte Angst. Richtig Angst. Eine Angst, die auf den Darm drückt und man sofort auf die Toilette möchte. Sich quasi buchstäblich in die Hose machen will.

Ich hatte solche Angst, dass ich nicht mal mehr die Kraft hatte zu weinen. Ich war einfach nur geschockt. Und für einen Moment total gelähmt.

Dabei war es im Grunde eine banale und alltägliche Situation. Im Straßenverkehr.

Ich fuhr auf einem Teilstück einer 30-kmh-beruhigten Straße. Inmitten eine Fußgängerampel, die für den Autoverkehr auf Rot stand. Etwas vor der Ampel querte jemand die Straße. Langsam, aber am Ende zielführend.

Soweit, so gut und alles normal.

Vor mir fuhr ein Kleinwagen sehr viel langsamer als nötig, um dann komplett stehenzubleiben. Der Passat war schon lange weg, die Ampel stand auf grün. Der Wagen fuhr jedoch nicht an.

Was macht man in so einer Situation? Richtig, man hupt. Erst einmal, etwas zögerlich. Ich vermutete, dass der Fahrer mal wieder mit den Smartphone spielte.

Nichts passierte. Ich hupte noch einmal. Nichts. Dann noch mal. Wieder nichts.

Wobei das nicht stimmt. Ich bemerke, dass der Fahrer unruhige wurde. Erst anfuhr, dann abrupt stehenblieb. Ich wollte grad wieder hupen, als der Fahrer wie angestochen aus dem Wagen sprang und auf mich zukam.

Voller Wut riß er sich die Kopfhörer aus den Ohren und brüllte mich an. Dabei war er so außer sich, dass er mit seinem ganzen Körper bebte und wild mit den Armen fuchtelte.

Was soll ich sagen, ich dachte, er zieht eine Waffe …
(Wer mich kennt, weiß, dass ich KEIN Rassist bin. Es war ein Mann mit Migrationhinterfgrund und er sah mich derart böse an, dass mir das Blut in den Adern gefror. Ich hatte wirklich, wirklich Angst.)

Als er sah, dass ich eine Frau bin, beschimpfte er mich als „Fotze“ und stieg wieder in seinen Wagen.

Ich fuhr langsam hinter ihm her. Noch immer in der Angst, er könnte stehenbleiben und mir etwas antun.

Während der Fahrt überlegene ich, was ich hätte tun können, wenn er tatsächlich eine Waffe gehabt hätte.

Ich mag solche Situationen gar nicht.

Erstaunlich

Meine Mutter ist Jahrgang 1932. Sie ist in Rumänien geboren. Meine Großeltern sind gebürtige Österreicher. Die Geschichte lehrte uns, dass ein Teil Österreichs nach dem ersten Weltkrieg zu Rumänien wurde.

Meine Großmutter erzählte mir immer, wie zu ihrer Kindheit der Russe über den Berg kam und alle umbrachte, was meine Großmutter zur Waise machte. Das war die vereinfachte und sehr einseitige Form der Geschichte. Aber eben so, wie meine Großmutter sie sah.

Leider waren meine Großeltern ganz schlimme Nazis. Meine Großmutter dazu noch eine Holocaust Leugnerin. In meiner Erinnerung gab es bei jedem Besuch Streit mit meinem Vater. Der darin endete, dass mein Vater laut schimpfend das Haus meiner Großeltern verließ und den Rest des Besuchs im Auto auf uns wartete.

Dennoch hat er uns Kindern nie den Umgang untersagt. Ganz im Gegenteil hat er dafür gesorgt, dass wir regelmäßig zu ihnen fuhren. Was dann allerdings immer im Streit endete und ich als Kind nicht verstand.

Erst sehr viel später begriff ich, was für schlimme Menschen meine Großeltern waren. So ist es eben: seine Verwandten kann man sich nicht aussuchen. Ich verstehe meinen Vater in sofern nicht, das ich an seiner Stelle NIEmals mehr wieder einen Fuß über die Schwelle meiner Großeltern getan hätte.

Nach dem Tod meines Großvaters kam meine Großmutter sogar alle zwei Jahre zu Weihnachten zu uns. Meine Großmutter war kein netter Mensch. So wie meine Mutter.

Die sich ja nun sehr zu ihrem Vorteil entwickelt hat und ein außerdem liebenswerter Mensch wurde.

Als mein Mann und ich meine Eltern zum Impfen begleiteten – sie sollten auf keinen Fall mehr den weiten Weg zum Impfzentrum nehmen – hatte ich mir bei der zweiten Impfung überlegt mit meiner Mutter zu singen.

Mein Mann fand das gar nicht witzig und meinte, er würde sich lieber wieder in Endlos-Schleife irgendwelche Geschichten von früher anhören.

Dennoch nahm ich mein altes Liederbuch aus meiner Kindheit mit. Ich liebte es zu singen und freute mich eigentlich darauf mit meiner Mutter die alten deutschen Volkslieder singen zum können.

Bei einem Stopp bei einem Baumarkt auf der Rückreise, blieb ich mit meiner Mutter im Auto und kramte das Buch hervor. Erstaunlich, dass sich meine Mutter an alle Melodien und teilweise auch an die Texte erinnerte. Es war nicht ganz flüssig, aber dennoch schön.

Als Mein Mann mit meinem Vater zurückkamen, meinte mein Vater, dass meine Mutter mal das rumänische Kinderlied singen sollte, was sie ihm vor Tagen vorgesungen hatte.

Dazu sollte ich erwähnen, dass meine Mutter nach der Flucht als Kind 1942 kein Wort rumänisch mehr sprach. Meine Großmutter verweigerte sich. Einzig mein Großvater sprach mit mir, aber leider viel zu wenig, als dass ich es hätte lernen können.

Meine Mutter sang jedenfalls ganz flüssig dieses sehr hübsche Kinderlied und konnte es sogar übersetzen.

Mein Vater meinte schon, dass sie bald anfangen würde rumänisch zu sprechen und er hoffte, das sie die deutsche Sprache nicht vergessen würde.

Ist schon echt erstaunlich, was das Gehirn für Kapriolen schlägt.

Darauf bereitet einen keiner vor

Und doch betrifft es uns alle … mehr oder weniger.

Wir alle haben Eltern. Und in dem günstigen Fall, dass wir ein gutes Verhältnis zu ihnen haben, werden wir irgendwann an den Punkt kommen, wo wir uns um sie kümmern müssen

Grundsätzlich kann ich mich glücklich schätzen. Denn meine Eltern sind verhältnismäßig fit. Obwohl sie wirklich schon alt sind – mein Vater 92, meine Mutter 88 – leben sie noch allein und kommen ohne fremde Hilfe aus.

Sieht man davon ab, dass inzwischen einmal in der Woche eine Haushaltshilfe kommt, die von der Krankenkasse bezahlt wird und einmal in der Woche eine Frau von einer Pflegestation vorbeischaut und die Tabletten meiner Mutter für eine Woche in einen Spender sortiert.

Mein Vater hat die Pflege meiner Mutter übernommen. Sie ist demenzkrank. Was anfänglich schleichend einsetzte, wird nun leider immer schlimmer. Noch weiß sie, wer wir sind und sie weiß auch, wer mein Vater ist.
Wobei er mir des öfteren erzählte, dass er nicht sicher ist, ob sie weiß, dass er ihr Mann ist.

Meiner Mutter machte eine extreme Wesensveränderung durch.

Das ist normal bei Demenzkranken. Doch meist ist es so, dass die Erkrankung dazu führt, dass die Betroffenen aggressiv werden.
Meine Mutter war hingegen nie besonders freundlich. Ich will ich hier nicht weiter in die tiefe gehen. Aber es führte dazu, dass ich kein besonders gutes Verhältnis zu ihr hatte.

Das hat sich komplett geändert. Sie ist sehr lieb und anhänglich geworden. Zuvor war sie immer grantig mit allem und glaubte, dass die gesamte Welt sich gegen sie verschworen hat. Nun ist sie dankbar für alles.

Sie muss drei mal in der Woche zur Dialyse. Am Anfang war das eine Katastrophe. Sie haderte mit der Situation und jammerte ohne unterlass. Jetzt ist die demütig und dankbar, dass sie dort hingehen darf, weil es ihr Leben verlängert.

Andererseits erzählt mir mein Vater, dass sie manches Mal derart deprimiert ist über ihren Zustand – es kommt durchaus vor, dass die mitbekommt, wie vergesslich sie geworden ist – und zu ihm sagt, sie würde in die Elbe gehen, um sich umzubringen.

Das ist für alle schwer.

Immer wieder sage ich meinem Vater, dass er Hilfe bekommen kann. Im schlimmsten Fall müsste meine Mutter eben stationär in einer Einrichtung untergebracht werden.

„Ich lebe mein ganzes Leben mit ihr zusammen, da gebe ich sie auf den letzten Metern nicht einfach ab, wie ein altes Stück Möbel.“

Sie sind in diesem Jahr 65 Jahre verheiratet.

Ich kann das gut verstehen.

Die gesamte Situation belastet mich sehr. Ich weiß, dass meine Mutter aufgrund ihrer Krankheit (die Nierenerkrankung) nicht mehr lange durchhalten wird. Ich bin ohnehin erstaunt, wie lange sie es bisher geschafft hat.

Nur, was wird dann aus meinem Vater?

Er hat Durchhaltevermögen und den Vorsatz 115 Jahre alt zu werden. Er möchte gern erleben, wie ich in Rente gehe, damit ich noch mehr Zeit mit ihm verbringen kann. Das ist einerseits sehr schön, andererseits aber ängstig es mich auch.

Aus einem Telefonat am Tag, am Anfang der Pandemie, sind inzwischen drei bis vier geworden. Wenn ich ihn nicht einmal in der Woche sehe, wird er traurig und vermisst mich sehr.

Das alles ist durchaus schön, aber auf der anderen Seite habe ich auch ein Leben, in dem meine Eltern keine so wichtige Rolle spielen.

Ich denke, diese Gedanken kennen alle, die in so einer Situation sind. Schade nur, dass uns niemand darauf vorbereitet hat. Aber vielleicht ist das auch gar nicht möglich. Ich bin mir nicht sicher, ob ich als junger Mensch dem überhaupt Bedeutung beigemessen hätte.

Von wegen

Forsythien sind Frostwächter

So heißt es doch im Volksmund. Wenn die Forsythien blühen gibt es keinen Frost mehr und der perfekte Zeitpunkt, um Rosen zu schneiden ist gekommen.

Was genau haben die Forsythien in diesem Jahr nicht verständen?

Ich habe, so wie geheißen, nach Einsetzen der Blüte angefangen den Garten aus dem Winterschlaf zu holen. Die nicht winterharten Pflanzen wurden aus der Garage geholt, das Laub aus den Beeten entfernt.

Und dann das: Wintereinbruch über Ostern.

Ein Ende scheint auch noch nicht in Sicht zu sein.

Immerhin ist es heute mal geringfügig wärmer. Aber nachts gibt’s teilweise noch immer Frost. Ich habe die armen Pflanzen schnell wieder mit Fließ eingepackt.

Ich hätte besser auf den Igel achten sollen, den ich beim Laub entfernen in seinem Winterschlaf vorgefunden habe und schnell wieder mit Laub bedeckte, um ihn nicht zu stören. Der Laubhaufen ist noch immer unversehrt, was bedeutet, dass er noch immer in seinem murkeligen Schlaf verharrt.

Manchmal denke ich, ich sollte mich auch einfach wieder hinlegen und warten, bis es warm geworden ist

Ach, übrigens: Der Giersch wächst und gedeiht prächtig im Garten.

Einzig das Beet, was ich komplett umgegraben hatte, ist nach wie vor Gierschfrei.