Zurück zur Routine

Das waren anstrengende Tage. Mehr als ohnehin schon bewundere ich Menschen, die ihre Eltern im eigenen Umfeld pflegen oder bei sich wohnen lassen.

In der Vergangenheit war mir immer klar, dass, wenn meine Mutter vor meinem Vater geht, ich ihn zu mir holen werde.

Diese Idee ist seit den letzten zwei Wochen gestorben.

Der „Urlaub“ mit meinem Vater war bereits sehr anstrengend verlaufen und wir froh, wieder allein zu sein. Danach war uns bereits klar, dass wir meinen Vater beherbergen müssen, wenn ihr Badezimmer renoviert wird.

Von Anfang an hieß es, dass der Umbau 14 Tage dauern würde. Als es dann soweit war, sprach die Eigentümerin allerdings nur von einer Woche. Das kam mir zwar merkwürdig vor, aber sei es drum. Recht war es mir allemal.

Daher brachte ich meine Mutter wieder in der Kurzzeitpflege unter. Mit der Organisation hatte ich ja nun schon Routine. Da meine Mutter in die Dialyse muss, gibt es auch mehr zu tun, als nur das Pflegeheim zu buchen.

Bereits nach zwei Tage ging mir mein Vater so sehr auf die Nerven, dass ich es kaum erwarten konnte, dass er wieder nach Hause kann.

Doch bereits am Mittwoch rief mich der Klempner an, dass der Umbau auf keinen Fall in der vorgesehen Zeit fertig wird, da der Fliesenleger einfach nicht erschienen war. Also wurde eine weitere Woche dran gehängt. Was meine Laune in keiner Weise steigerte.

Meine Vater quatsche mir ständig dazwischen und fragte mich unentwegt, ob ich alles soweit geregelt hätte. Immerhin musste ich die Kurzzeitpflege verlängern. Also die Krankenkasse informieren, das Taxi-Unternehmen, die meine Mutter zur Dialyse bringen, den Pflegedienst, die die Tabletten für meine Eltern sortieren. Das alles hatte ich erledigt und das meinem Vater auch gesagt. Was er leider bereits nach fünf Minuten wieder vergessen hatte und mich immer wieder darauf hinwies, was ich noch alles zu tun hätte.

Dann wollte er, dass ich täglich den Klempner anrufe, obwohl ich mit diesem vereinbart hatte, dass er sich bei mir meldet, wenn was sein sollte. Weil ich den Klempner nicht anrufen wollte, wurde mein Vater teilweise sauer.

Ich weiß durchaus, wie dankbar mein Vater war. Was er auch zeigte. Dennoch, er bleibt einfach anstrengend. Er will eben immer recht haben. Dass er dann alles vergisst, macht es nicht leichter. Was grundsätzlich ja nicht schlimm wäre und vor allem verständlich für einen 92-jährigen Menschen. Er will aber eben immer alles selbst machen, kann das aber nicht mehr.

Zudem ist er sehr negativ. Er kommentiert ALLES und findet auch ALLES scheiße. Egal was es ist.

Wir gingen an der Alster spazieren. Es war ein herrlicher Spätsommertag. Auf dem Wasser waren viele Stand-Up-Paddler unterwegs. Er wurde nicht müde, mir zu sagen, wie bescheuert er das findet und es überhaupt nicht verstehen kann, warum man das macht.

„Weil es Spaß macht“, sagte ich, denn ich hatte es selbst im Urlaub ausprobiert.

„Nein, das kann nicht sein. Das macht bestimmt keinen Spaß, das ist doch vollkommen unnütz. Es gibt doch gar keinen Grund warum man das macht, das ist doch einfach nur Blödsinn. Warum lassen es die Leute nicht einfach?“

Was soll man dazu noch sagen?

Jeden Abend, wenn wir zusammen vor dem Fernsehen saßen, kommentierte er die Filme. Und egal, was ich aussuchte, das war ja alles totaler Quatsch. Das hätte man doch alles schon gesehen und überhaupt sei das nicht sein „Thema“. Zum Glück ging er dann zeitig ins Bett und wir hatten Ruhe.

Die wir morgens dann nicht mehr hatten. Mein Vater erträgt keine Ruhe. Er plappert ständig irgendwas. Meist etwas, was er in der Zeitung gelesen hat. Und meist meckert er eben an allem herum. Er versteht dies und jenes nicht und warum Menschen dies oder jenes tun. Das sei seiner Ansicht nach alles Quatsch und Blödsinn.

Mich macht so was mürbe.

So war ich froh, als das Bad endlich fertig war und ich ihn wieder zurück bringen konnte.

Er war aber auch froh und wollte wieder nach Hause. Er langweilte sich sehr. In der ersten Woche war das noch kein Problem, weil das Wetter eben sehr schön war. In der zweiten Woche aber fing es an zu Regnen und er konnte nicht raus. Ihm fehlten seine Routinen. Über die er sich anfänglich durchaus beschwerte und sich auf eine Auszeit freute.

Wie man es macht, ist es verkehrt.

Aber so ist er nun mal. Auf den letzten Metern werde ich ihn ganz sicher nicht mehr ändern.

Urlaub!?

Seit ich wieder hier bin, werde ich gefragt, wie mein Urlaub war. Worauf ich nur entgegnen kann, dass es im Grunde kein Urlaub für mich war.

Und das nicht, weil ich, wie eigentlich immer im Urlaub, arbeiten musste.
Das stört mich wenig. Ganz im Gegenteil genieße ich die andere Aussicht und den Tapetenwechsel. Zudem bin ich froh und dankbar, dass ich einen Job habe, wo es keine Rolle spielt an welchem Standort ich mich befinde.

Ehrlicherweise wäre ich auch gar nicht weggefahren.

In Zeiten der Pandemie war das Interesse in ein anderes Land zu fahren eher gering, oder gar nicht vorhanden.

Seit über einem Jahr möchte mein Vater seine Freunde in Österreich besuchen. Geplant war eine Reise mit meiner Mutter gemeinsam mit dem Zug nach Kärnten zu fahren. Die Tickets waren bereits im Januar 2020 für eine Reise im Mai des gleichen Jahres gekauft.

Und dann kam es, wie wir alle wissen, anders.

Der Plan, die Freunde zu besuchen, war jedoch nicht vergessen. Nur mit meiner Mutter würde eine Reise nicht mehr möglich sein. Ihre Demenz hat im letzten Jahr nochmals Fahrt aufgenommen.
Aber mein Vater wollte trotzdem fahren. Was ich durchaus verstehen kann. Mit 92 Jahren denkt man schon über die Zeit nach, die einem noch bleibt. Auch wenn mein Vater 100 Jahre alt werden möchte.

Obwohl mein Vater wirklich fit ist, war mir bei dem Gedanken, dass er allein fahren würde, nicht ganz wohl.
Daher bot ich an, ihn zu begleiten. Doch mit dem Zug wollte ich auch nicht fahren. Ich kann inzwischen durchaus eine Stunde eine Maske tragen. Doch alles darüber hinaus schaffe ich gesundheitlich nicht.
Also würden wir mit dem Auto fahren.

Lustig ist, dass die Freundschaft der Österreicher bereits in die zweite Generation geht.
Was heißt: mein Mann und ich sind mit einem der Söhne und seiner Frau befreundet.

Diese hatten wir viel zu lange nicht mehr gesehen. Tatsächlich waren wir 2008 zuletzt in Kärnten.

So war es kein Wunder, dass mein Mann sofort sagte, dass er auch mitkommen wolle, wenn wir schon mit dem Auto fahren.

Gesagt, getan.

Meine Mutter brachte ich für 14 Tage in einer Kurzzeitpflege unter.
Zur Sicherheit wollte ich aber auf keine Fall direkt an dem Tag losfahren. Es hätte ja sein können, dass sie sich unwohl fühlt.

Aber es war alles bestens und so fuhren wir am Mittwoch los, um dann nach 10 Tagen wieder abzureisen.
Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich maximal fünf Tage plus je einen Tag für An- und Abreise unterwegs sein wollen.
Mein Vater, als auch mein Mann meckerten, dass es viel zu kurz sei, es müssten schon 14 Tage sein, sonst würde sich das nicht lohnen.
Ich argumentierte, dass es mit der Kurzzeitpflege mit meiner Mutter einfach nicht anders gehen würde.

Nach nur zwei Tagen, verfluchte mein Mann sich selbst und bedauerte, nicht auf mich gehört zu haben, doch nur fünf Tage in Österreich zu verbringen.

Natürlich war es sehr schön nicht nur die Freunde wieder zu sehen, sondern auch die Berge.

Hach, was habe ich das vermisst!

Aber mit meinem Vater … war es einfach NUR anstrengend.

Das schlimmste war nicht, dass er teilweise sehr verwirrt war, oft seine Ruhe brauchte und generell oft schlapp war.
Das ist für einen 92-jähren Menschen vollkommen normal. Der darf das.

Das Problem war, dass mein Vater bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf hinwies, dass er ja auf GAR KEINEN Fall ein alter Mann sei. Er könne noch ALLES! Sei SUPER fit! Und überhaupt hätte sich seit er 50 sei im Grunde nichts geändert.

Das führte unter anderem dazu, dass seine Freunde mit ihm einen Ausflug machten, nach dem er so erschöpft war, dass die Freunde regelrecht Angst um ihn bekamen.

Wenn ich ihn entsprechend seines Alters behandelte, wurde er oft richtig wütend und schimpfte.

Es ist äußerst schwierig mit jemanden umzugehen, der im Grunde nicht mehr viel kann, gleichzeitig das aber nicht einsehen will und wütend wird, wenn man ihm hilft. Und andererseits dann doch ständig Hilfe einfordert und einen, bzw. mich, damit auf Trab hält.

Alle haben mir gesagt, wie toll sie es finden, dass ich die Zeit mit meinem Vater verbringe.

Ja, das war es auch auf gewisse Weise. Aber es war auch verdammt knapp davor, dass das Verhältnis zu meinem Vater sehr darunter gelitten hätte.

Fundstücke

Es ist immer wieder spannend, was ich im Haus meiner Schwiegermutter finde.
Es scheint, als hätte sie nie etwas weggeschmissen.
Was den Haushält der Großmutter betrifft, die seinerzeit ebenfalls in dem Haus wohnte, so ist das tatsächlich so.
Ich fand neben der Unterwäsche, ihrem Gebiss und alten Brillen, auch den gesamten Bestand ihrer Küche und des Badezimmers.

Manchmal frage ich mich, was sie wohl damit vorhatte zu tun. Mir will einfach nicht einleuchten, was meine Schwiegermutter damit machen wollte.
Ich verstehe ja, wenn man Erinnerungsstücke behält … aber was will man mit dem GESAMTEN Hausstand?

So ist das gesamte Haus so eine Art Time-Tunnel. Ein Portal, dass man durchschreitet und in einer anderen Welt ist.

Oberflächlich mag alles normal erscheinen. Aber sobald man eine Schublade oder einen Schrank öffnet, betritt man die Welt der 1950er bis heute.
Es sind jedoch nicht nur die Dinge meiner Schwieger-Großmutter. Meine Schwiegermutter hatte ebenfalls einen Hang einfach ALLES aufzubewahren.
Es gibt Kalender (Wand- als auch Tisch- und Taschenkalender) aus allen Jahren. Und alle sind unbenutzt.

Im Gegensatz zu meiner Schwiegermutter, war der Bestand an Büchern der Schwieger-Großmutter sehr groß. Der Keller ist voller Bücherkartons. Es sind so viele, dass ich mich frage, wo die Bücher zu ihren Lebzeiten gestanden haben. So viel Platz bot ihre Einliegerwohnung nicht. Wenngleich diese recht groß war und deutlich geräumiger als unsere Wohnung.

Wie dem auch sei.

Neulich nahm ich mir ein paar Kartons vor und stöberte darin.

Unglaublich, was ich alles gefunden habe.

Neben einigen Ratgebern der 1950er Jahre auch jede Menge Romane.

Meist ebenfalls aus den 1950er Jahren. Manche allerdings auch sehr viel älter.

Ich war auf der Suche nach einem Buch, dass ich lesen mochte.

Früher gab es erstaunlicherweise oft keinen Klappentext. Die Titel der Bücher sagten mir nichts. Also las ich einfach die ersten Seiten, in der Hoffnung mir dadurch einen Eindruck zu verschaffen.

Ein Buch sah sehr schön aus. Natürlich alles Hartcover-Bücher. Ich weiß gar nicht, wann Taschenbücher überhaupt erfunden wurden?
Reclam-Heften gab es jedenfalls schon, davon habe ich eine umfangreiche Sammlung gefunden.

Dieses Buch jedenfalls hatte einen grünen Einband mit einem goldenen Baum darauf.
Das Buch wurde 1949 eines Zürcher Verlages aufgelegt.

Später stellte sich sogar heraus, dass ich eine Erstausgabe in den Händen hielt.

Die ersten Seiten lasen sich eigenwillig. Eine Sprache, die in dieser Form keine Anwendung mehr findet.
Aber es interessierte mich.

Und so ließ ich mich auf die Geschichte des „Rainte County“ – Das Land des Regenbaums – ein.

Das Buch mit über 700 Seiten ist die gekürzte Fassung des Originals von Ross Lockridge jr.

Anfänglich tat ich mich wirklich schwer. Es brauchte einige Seiten, bis ich in die Geschichte eintauschen konnte. Zu schwulstig erschien mir die Sprache.
Doch inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und bin tief in die Geschichte eingetaucht.

Der Inhalt ist im Prinzip schnell erzählt.

Es beginnt mit dem Helden im gesetzten Alter zum Ende des 1900 Jahrhunderts.
Schnell wechselt die Erzählebene und man erfährt wie der kleine Junge in Indiana, im Land des Regenbaums aufwächst.
Während der gesamten Geschichte, wechseln die Zeiten vom alten zum jungen Helden.
Er hat die Bestrebung bereits als Junge, später einmal ein großer Dichter und Literat zu werden.
Außerdem ist er auf der Suche nach dem Sagenumwobenen Regenbaum, nachdem der Bezirk benannt wurde.
(Lustig ist, dass in der Übersetzung der Begriff „County“ als „Grafschaft“ bezeichnet wird).

Der Held ist durch und durch anständig. Daher bekommt er nicht die Frau, die er liebt, weil diese einem anderen versprochen ist. Ganz gleich, dass die Frau dem Helden ebenfalls ihre Liebe gesteht. Daher heiratet er eine andere, aus den Südstaaten stammende Frau, die leider ein schweres Trauma hat und daran später auch zugrunde gehen wird.
Derzeit befindet er sich im Bürgerkrieg und erlebt den Schrecken und die Brutalität des Krieges.

Tatsächlich hat mich der amerikanische Bürgerkrieg schon immer interessiert. Ich liebe „Fackeln im Sturm“.
Durch den Roman von Lockridge erfahre ich jedoch nochmals einen ganz anderen Eindruck und wesentlich mehr Details.

Ziemlich schnell wurde mir klar, dass ich ein großes Buch der Weltliteratur in den Händen hielt.

Dies scheint aber in heutiger Zeit lediglich mir bewusst zu sein, denn über das Buch findet man so gut wie nichts im Netz.

Der Roman wurde 1957 mit Elisabeth Taylor und Montgomery Clift verfilmt.
Das, was ich bisher an Ausschnitten sah, gibt jedoch nur einen Bruchteil des Romans wieder.

Anfänglich habe ich tatsächlich sehr langsam gelesen. Manche Passagen sogar mehrmals, bis ich verstand, was mir der Autor mitteilen wollte.
Nun bin ich weit fortgeschritten und sehe dem Ende des Romans entgegen und weiß jetzt schon, wie traurig ich sein werde, wenn es zu Ende ist.

Aber dann kann ich einfach in den Keller gehen und nach weiteren Fundstücken suchen.

Wenn ich Glück habe, dann finde ich nochmals so eine Rarität.

Das Leben …

… hat wieder seine Krallen fest in mich getrieben und lässt mich kaum zur Ruhe kommen.

Ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll.
Es ist so viel passiert.

Fange ich mit dem traurigsten und tragischstem an:

Am Freitag war ich schon wieder auf einer Beerdigung.

Sollte es ein Ranking für die schlimmsten Verabschiedungen geben, so gehört diese leider zu den Spitzenreitern.
Ich hatte angenommen, dass mich nach dem Tod meiner Schwägerin nichts mehr so sehr mitnehmen würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es noch schlimmer gehen könnte.
Doch das Leben zeigte mir erneut, dass es immer schlimmer gehen kann.

Wobei der Verlust der Schwägerin einfach das Schlimmste bleibt, was ich mir vorstellen kann.

Am Freitag also mussten wir den Bruder eines Mitglieds unserer Interessengemeinschaft des Stadtteils, mit dem wir seit Jahren unser Fest organisieren, verabschieden.
Auch wenn er nicht bei der Organisation dabei war, so war er doch ein fester Bestandteil des Festes. Unser Stadtteil kennt ihn und hat ihn sehr geschätzt.
Mit nur 37 Jahren hat er den Kampf gegen Covid-19 verloren.

Das ist umso tragischer, weil die gesamte Familie an Corona erkrankte.
Der Vater ist nach drei Wochen Koma und einmaliger Impfung ebenfalls gestorben.

Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen und leide noch immer mit der Familie.
Ich weiß, was es bedeutet einen lieben Menschen viel zu früh zu verlieren. Der Schmerz bringt einem fast um. Er nimmt einem die Luft zum Atmen.

Dennoch vermag ich mir nicht vorzustellen, wie sehr die Familie und gerade die Mutter und Ehefrau leidet.

Ich kann nicht verstehen, wie man sich nicht impfen lassen möchte.
Zumal wohl jeder von uns schon einmal geimpft wurde. Und sei es nur gegen Tetanus.

Ich will auch nicht mehr darüber diskutieren. Will nicht mehr hören, dass es eben die Meinung und das gutes Recht der Verweigere sei, sich nicht impfen zu lassen.

Die Welt ist ohnehin aus den Fugen geraten. Da muss ich mir nicht so ein Blödsinn anhören, warum manche Menschen glauben sich allem entziehen zu können und nicht ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Schlimme Zeiten sind das gerade und ich würde so gern mal wieder fröhliche Dinge über mein Leben schreiben.

Ich versuche dennoch nicht den Mut zu verlieren und positiv denkend zu bleiben.

Neu-Auflage

Wobei das Wort „Auflage“ ja gar nicht stimmt. Dank book-on-demand muss ich keine Auflage drucken lassen. Das ist in erster Linie Kostensparend.

Ich bin immer wieder begeistert, wie toll die gedruckten Bücher aussehen. Dafür, in welcher Schnelligkeit sie gedruckt werden. Bevor ich die Werbetrommel anschmeiße, lasse ich mir erst ein Buch schicken, um zu überprüfen, wie es aussieht, wie schnell es geht und ob der Transport in Ordnung ist.

Leider sind auch schon mal Bücher leicht beschädigt angekommen. Das ärgerliche dabei ist, dass man das Buch zurückschicken muss, bevor man ein Neues bekommt. Das ist nicht nur zeitlich problematisch. Das leicht beschädigte Buch wird vernichtet.

Bei einem Anbieter für Kalender und Bilder jeder Art, schickt man Fotos von der Beschädigung. Daraufhin bekommt man Ersatz. Das defekte Produkt kann man behalten. Wenn man einen Kalender oder ähnliches verschenken möchte, sollte er einwandfrei sein. Mir ist es egal, wenn eine Ecke eingeknickt ist.

So ist es eben auch mit Büchern, die müssen einwandfrei sein, wenn ich sie signiert, entweder verkaufe oder verschenken möchte.

Wie dem auch sei. Meist klappt es ja und die Ware sieht gut aus.

Wie in diesem Fall:

Hier ist es also mein neues, altes Buch.

Damit man es unterscheiden kann, hab ich mich gleich auch noch mal an die Covergestaltung gemacht. So gefällt es mir im Grunde eigentlich viel besser. Jetzt sieht es mehr nach 80er Jahre aus.

Außerdem habe ich, wie schon einmal erwähnt, Karten und Bilder zugefügt.

Die Bilder gibt es allerdings ausschließlich in der Print-Ausgabe. Beim eBook finden sich lediglich die Karten.

Ich hoffe sehr, dass dem Leser die neue Ausgabe gefällt und alle Spaß daran haben.

Vor allem, dass ich Bilder aus der Zeit gefunden habe freut mich ungemein. Auf einem ist sogar ein Fiat 500 zu sehen, der auch in meiner Geschichte eine Rolle spielt.

Glück muss man eben haben.

Geschichten von der Weltbesten Freundin

Erinnert ihr euch noch?
Das ist wirklich lange her, dass ich diesen Titel verwendet habe.

Und leider kommt hier jetzt kein Eintrag von einer Nacht mit Tanzen und ganz viel Spaß haben.

Und das nicht nur, weil die Pandemie derlei Veranstaltungen derzeit unmöglich macht.

Früher, als ich Anfang vierzig war, dachte ich darüber nach, ob ich je so alt werden könnte, dass ich nicht mehr ausgehen mag. So alt, dachte ich, kann ich NIE werden.

Selbst als ich fünfzig wurde, hatte ich nach wie vor Spaß am ausgehen und die Nacht zum Tag zu machen.

Doch ehrlicherweise muss ich gestehen, dass es doch viel anstrengender wurde. Nach einer durchzechten und durchtanzten Nacht brauchte ich drei Tage bis ich den Jetlag des bis in den Morgengrauenaufbleibens überwunden hatte. Doch es hielt mich in keiner Weise ab es wieder zu tun.

Aber die Abstände wurden immer größer.

Dennoch freute ich mich wahnsinnig mich mit der Weltbesten Freundin zu treffen. Wir hatten so viel Spaß.

Und dann wurde ich krank.

Aber selbst das konnte mich nicht davon abhalten auszugehen. Ich konnte nicht so viel – oder besser gar nicht – tanzen, aber es machte dennoch Spaß.

Nach der Krankheit kam dann leider die Erschöpfung, die bis heute anhält und eigentlich immer schlimmer wurde.

Heute kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen auszugehen. Ich würde das nicht mehr schaffen.
Dem trauere ich neben vielen anderen Dingen wirklich nach.

Aber was soll’s, ich habe wundervolle Erinnerungen. An viele Wochenenden in viele Jahre in denen wir tanzten und unglaublich viel Freude dabei hatten. Ja, auch teilweise zu viel getrunken hatten. Müde und manchmal auch wankend nach Hause gingen. Dabei die Sonne haben aufgehen sehen und einfach das Leben genossen haben.

Was also soll ich mich grämen?

Wer weiß, vielleicht hätte ich auch so irgendwann keinen Bock mehr darauf gehabt.

Und abgesehen davon, geht das ja ohnehin nicht mehr. Jetzt jedenfalls noch nicht.

Und die Hoffnung stirbt zuletzt: Vielleicht werde ich ja doch irgendwann wieder so fit sein, dass es dann wieder einen richtigen Eintrag von der Weltbesten Freundin geben wird.

Öko-Braut

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich in den tiefen meines Herzens eine Öko-Tussi bin?

Das fing im zarten Alter von 16 Jahren an. Damals habe ich damit meine Familie in den Wahnsinn getrieben. Meine Mutter fand’s gut und hat brav mitgemacht, während mein Vater meinte, das sei ihm alles mehr oder weniger egal, schließlich würde er bezahlen und es würde ihm nicht einfallen weder Wasser noch Strom zu sparen. Auf sein Auto wollte er schon gar nicht verzichten und fuhr weiterhin selbst die kürzesten Strecken. (Das ist heute allerdings anders und seine Einstellung hat sich zum Glück verändert.)

Ich habe aber nicht nur andere genervt, sondern hab das selbst durchgezogen. Was zugegebener Maßen früher einfacher war als heute. Es gab noch kein Internet. Folglich hatte man auch kein Smartphone, konnte nicht streamen und andere tolle Dinge damit machen.

Wir trafen uns in der realen Welt und sprachen direkt miteinander.

Eine Freundin wanderte damals nach Australien aus. Die Kommunikation war langwierig. Wir schickten uns gegenseitig aufgenommene Kassetten mit Sprachnachrichten und der aktuellen Musik, die man hörte. So eine Nachricht war dann gute sechs Wochen unterwegs. Nach weiteren sechs Wochen und ein paar Tagen – schließlich musste die Nachricht ja auch erst aufgenommen werden – erhielt man dann Antwort.

Waren echt andere Zeiten damals und das Leben verlief sehr langsam.

Dennoch: ich versuchte mein Bestes, um die Umwelt nicht über die Maßen zu belasten.

Dazu gehörte selbstverständlich mit dem Fahrrad zu fahren. Das tat ich im Grunde eigentlich immer. Selbst als ich dann mit Ende 20 mein erstes Auto hatte, – meine Eltern schenkten mir den alten Wagen meiner Mutter – ließ ich es meist stehen und fuhr weiter mit dem Rad.

Eine Zeitlang kaufte ich viel im Reformhaus, ernährte mich meist vegetarisch. (Das mache ich heute eigentlich auch noch, aber ich denke darüber nicht mehr so viel nach wie früher. Ich mache es einfach. Kein Grund darüber zu sprechen.)

Bis heute vermeide ich Müll. Ich bin immer überrascht, wie wenig wir produzieren. Das fällt mir gerade jetzt auf, wo wir oft im Haus sind und jeder seine eigene Tonne hat. Unsere wird selten voll, außer mit Gartenabfall. Bei den Nachbarn beobachte ich, dass oft der Deckel nicht mehr ganz schließt.

Der Wertstoffsack wird alle 14 Tage abgeholt und ist meist nur bis zur Hälfte gefüllt.

Aber der Konsum an Wertstoffen hat mich doch arg gestört. Mit fiel aber nicht wirklich eine Lösung ein. Außer dem, was man eben machen kann.

Aber wie ist es beispielsweise mit Shampoo, Cremes und Zahnpasta?

Auf Plastik zu verzichten ist echt schwer und mir scheint das kaum umzusetzen. Vor allem, weil ich dann doch keine Lust habe mein Leben damit auszufüllen, mir Gedanken zu machen, wie ich das bewerkstelligen soll.

Frühe machte ich deshalb meinen Joghurt selbst. Der schmeckte 1. besser und 2. verursachte das keinen Müll.
Ich hatte sogar eine Phase, in der ich meine Kosmetik selbst machte. Früher gab’s so tolle „Spinnrad“-Läden, da bekam man einfach alles. Heute müsste ich das wohl im Internet bestellen. Das mache ich nur im äußersten Notfall, wenn es gar nicht anders geht.

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert und man bekommt wirklich viel in ganz normalen Drogerie-Fachgeschäften. Und die Unverpackt-Läden gibt’s ja auch, und da bekommt man schon recht viel.

Jetzt habe ich es mit festen Shampoo versucht. War sehr gespannt, wie meine Locken das vertragen.

Was soll ich sagen: sie finden es SUPER!

Als nächsten ist mal Zahnpasta in Tablettenform dran.

Endlich!

Ich habe nicht damit gerechnet und kann es noch gar nicht richtig realisieren:

Nächste Woche habe ich meinen ersten Impftermin!

Und ich bekomme sogar das „gute“ Zeug. Was anderes hätte ich aufgrund meines Alters und der Vorerkrankungen auch nicht nehmen können.

Ich war schon total frustriert.

Heute morgen las mein Mann in der Zeitung, dass ab nächste Woche die Diabetiker dran sind. Somit also auch mein Mann. Ich freute mich echt für ihn. Immerhin einer von uns beiden, der dann bald mit Erleichterung leben kann.

Ich dachte schon, dass ich es mal versuche und die Betreuerkarte ausspiele. Immerhin bin ich Betreuer für den Lebensgefährten meiner Schwiegermutter und muss somit auch regelmäßig ins Pflegeheim. Außerdem wollte ich heute meinen Arzt fragen, ob ich aufgrund des Hashimoto auch berechtigt wäre.

All das war gar nicht nötig, bzw. hat sich mein Mann darum gekümmert. Er hatte seine Hausärztin per Mail angeschrieben und befragt. Erst kam eine Antwort, dass derzeit derart viele Anfragen kämen, dass man sich bitte gedulden möge. Heute rief sie ihn an und bestätigte ihm den Termin in der nächsten Woche.

Da ich in der gleichen Praxis, nur bei einem andern Arzt bin, fragte mein Mann, ob ich nicht auch gleich einen Termin haben könnte. Und … JA!

Ich kann es echt noch gar nicht glauben. Ich bin ehrlicherweise davon ausgegangen, dass ich eventuell und vielleicht dann mal im September oder Oktober noch noch später dran bin.

Jetzt bekomme ich Mitte Juli mein Leben zurück!

Endlich muss ich nicht mehr in Isolation leben und vor allem muss ich nicht mehr diese fiesen FFP2-Masken tragen und kann wieder auf OP-Maske umsteigen.

Für mich ist das Tragen der Maske ohnehin schwer. Und obwohl ich ja ein Attest habe, hab ich das nie genutzt. Das war mir irgendwie zu blöd und außerdem schützt die FFP2-Maske mich ja auch.

Aber aus diesem Grund bin ich quasi nirgends gewesen, wo ich länger hätte eine Maske tragen müssen.

MANN, ich bin grad so glücklich!

Euch ein schönes Wochenende und ich hoffe, dass bald alle dran kommen und geimpft werden können.

Schreiben

Durch das ganze private Chaos ist das Schreiben leider mehr oder weniger auf der Strecke geblieben. Von anfänglicher Frustration bis hin zu gelassener Wut und einem gewissen ist-mir-jetzt-alles-egal-Zustand, war alles dabei.

Das neue Projekt, dass bereits Formen angenommen hatte – der Plot stand, alle Charaktere waren ausgearbeitet, die Recherche weitestgehend abgeschlossen, die ersten Kapitel bereits geschrieben – hab ich seither auf Eis gelegt. Ich konnte dafür einfach keine Ruhe finden. Dabei wäre die Zeit in der ersten Welle der Pandemie optimal dafür gewesen. Aber dennoch konnte ich mich nicht aufraffen. Habe lieber im Garten gewerkelt oder das Haus geputzt.

Also klassisch prokrastineirt.

Was eigentlich nicht meine Art ist.

Aber sei es drum.

Dennoch habe ich immer wieder mal zwischendurch an alten Projekten gearbeitet.

Da ist zum Beispiel mein Erstlingswerk. Der Plot gefällt mir nach wie vor gut. Aber ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich damals wirklich absolut KEINE Ahnung vom Schreiben hatte.

Mann, war das ein schlechter Roman. Unmöglich und wirklich, wirklich richtig schlecht! Im Nachgang schäme ich mich echt dafür, dass ich ihn unters Volk gebracht habe. Also einigen wenigen meiner Freundinnen geben hatte und – einige erinnern sich vielleicht – bei blog.de veröffentlich hatte.

Dabei bekam ich damals großen Zuspruch und hatte treue Leser, die wissen wollten wie es ausgeht. Wir gut, dass ich das lediglich als Test laufen ließ und kein Geld dafür genommen habe. Das hätte sicher auch niemals jemand bezahlt, oder wenn, sich dann maßlos über den Schund geärgert.

Wie dem auch sei. Der Plot ist gut.

Also habe ich angefangen den Roman komplett zu überarbeiten. Dieses Mal aber richtig.

Bin im Prinzip damit umgegangen wie bei einem neuen Werk. Habe die Charaktere überarbeitet, die Archetypen bestimmt und den ganzen Plot umgestellt. Vor allem habe ich an der Dramaturgie gearbeitet. Die war ja vorher quasi nicht vorhanden, weil ich eben keine Ahnung davon hatte.

Ich bin so verdammt froh, dass ich mich damals entschloss die Weiterbildung zu machen und das Schreiben richtig zu lernen. Jedem, der Lust dazu hat, und das Schreiben professionell umsetzten will, kann ich das wärmstens empfehlen.

Ich bin bei dem Projekt noch immer nicht an dem Punkt angelangt, an dem es ans Schreiben geht. Noch sind es die Vorarbeiten, die auch Spaß machen, die aber auch vielmehr an Arbeit erinnern.

Zeitgleich habe ich meinen Roman „Sommernachts-Grauen“ überarbeitet. Hier habe ich im Prinzip nichts weiter getan, als ihn nochmals zu lesen und einige Formulierungen, die mir jetzt nicht mehr so gut gefielen, zu ändern.

Zudem dachte ich, sei es ganz hübsch einige Karten einzubinden.

Kritik an dem Werk gab es in der Form, dass man sich schlecht einfinden konnte, da viele Straßennamen und Orte genannt werden. Nur wer sich in Hamburg auskennt, konnte das Buch wohl wirklich genießen. Das wollte ich damit ändern. Zudem habe ich mir die Mühe gemacht und zu den gebrauchten Straßennamen eine Erklärung geschrieben. Außerdem wird es eine Legende über die Charaktere geben. Auch das war ein Kritikpunkt: es gäbe zu viele Namen und man würde den Überblick verlieren.
Dabei ist jeder einzelne Charakter wichtig für die Geschichte.

Ich hoffe, ich kann das Buch dann bald Veröffentlichen. Vor allem bin ich gespannt, ob es Leser geben wird, die sich über den Mehraufwand freuen.

So geht es also doch ein wenig mit der Schriftstellerei voran. Wenn auch ganz anders als geplant oder gedacht.

So ist das Leben

Ich würde wirklich gern andere Einträge schreiben. Im Grunde würde ich gern die Zeit zurückdrehen. Würde gern wieder unbeschwert leben.

Aber so ist das Leben nicht.

Ganz im Gegenteil kann das Leben mitunter ein echtes Arschloch sein.

Dabei ist das, was ich gerade durchlebe, ein ganz normaler Verlauf. Das gehört zum Leben eben dazu.

Dass es mir zudem körperlich nicht gut geht, trägt nicht dazu bei meine Laune zu bessern.

Ich berichtete bereits von meinen Eltern. Das Verhältnis zu meiner Mutter war immer eher angespannt. Früher habe ich sogar behauptet, dass, wenn sie mal so alt wird, dass sie Hilfe braucht, ich sie eher verschimmeln lassen würde, als mich zu kümmern.

Diese Aussage fanden alle immer sehr schlimm und glaubten dem nicht. Schließlich ist es doch meine Mutter. Ehrlich: drauf geschissen!

Aber ich schweife ab, schon wieder.

Ich tue alles nur aus einem Grund: weil ich meinen Vater nicht mit all dem allein lassen kann und will. Er ist zunehmend überfordert. Auch und gerade emotional.

Also helfe ich wo ich kann.

Was dazu führte, dass ich heute mit der Ärztin in der Dialyse gesprochen habe.

Es sieht nicht gut aus. Sehr vorsichtig und behutsam erklärte sie mir, dass es langsam mit meiner Mutter „zu Ende“ geht. Sie wollte sich nicht direkt äußern und sprach jede Problematik durch die Blume an. Doch mir war durchaus klar, was sie meinte und ich hatte mich ehrlicherweise schon lange damit befasst. War eher erstaunt, dass meine Mutter so lange durchhält.

Aber das kann ich doch meinem Vater nicht sagen. Wenn er nicht ohnehin schon weiß, wie es um sie bestellt ist, schließlich lebt er mit ihr zusammen.

In mir wallen grad viele Emotionen durcheinander.

Jeder, der seine Eltern bereits verloren hat, weiß was ich meine. Und alle anderen, die ihre Eltern noch haben, wissen, dass es eines Tages soweit kommen wird.

Dabei bin ich mir nicht mal sicher, wovor ich genau Angst habe.

Dass sie eines Tages gehen werden, damit habe ich mich schon lange beschäftigt. Das tun wahrscheinlich alle, deren Eltern ein gewissen Alter erreicht haben. Das Leben ist eben endlich.

Ich spüre, dass ich mit der Situation total überfordert bin. Mich am liebsten unter die Decke verkriechen würde. Mich wie ein kleines Kind an meinen Vater kuscheln und hören möchte, wie er mir sagt, dass alles gut wird.

Ich hoffe sehr darauf, dass eines Tage meine Einträge wieder fröhlicher werden. Weil ich es bin und weil das Leben dann doch nicht immer ein Arschloch ist.