Es geht voran

Das Schlimmste scheint überstanden zu sein. Im Grunde ist alles verpackt. Sieht man vom Büro meines Mannes ab, der sich absolut nicht helfen lassen will und meint, da müsste er allein durch.

Er hat eine komplett andere Herangehensweise. Er prokastriniert bis zum allerletzten Zeitpunkt, am liebsten noch über die Deadline hinaus. Erst, wenn es eigentlich schon viel zu spät ist.

Das macht mich WAHNSINNIG!

Ich bin das total Gegenteil. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Aber was soll’s, dass wird schon noch werden.

Das Büro ist nun nicht mal mehr eine Baustelle. In den Räumen hallt es. Selbst das klickern auf meiner Tastatur hört sich erstaunlich laut an. Ich meine meinen Atem hören zu können.

Ich verweigere mir die Gedanken an die vielen schönen Momente. An die tollen Partys, an Geburtstage, Weihnachtsfeiern und einfach so das Zusammenkommen mit Freunden.

Natürlich wurde auch gearbeitet. Viel sogar. So viel, dass ich manches Mal darüber nachdachte ein Schlafsofa anzuschaffen, damit ich überhaupt noch ein paar Stunden Schlaf bekomme.

Und jetzt ist das alles Geschichte.

Ich merke, wie ich an Konstanten hänge. Ich mag offensichtlich keine Veränderungen. Jedenfalls keine die den Ort betreffen. Mein Leben ist alles andere als langweilig. Alle fragen mich, wie ich es schaffe, so viele unterschiedliche Dinge unter einen Hut zu bringen.

Wahrscheinlich schaffe ich das eben nur deshalb, weil mir der Standort derart viel Halt gibt. Es verschafft mir Sicherheit.

Mir war durchaus bewusst, das der Tag kommen wird, an dem wir den Standort des Büros aufgeben werden.

Doch wenn man jung ist, dann denkt man nicht daran, das der Tag doch irgendwann kommen wird. Plötzlich ist man alt geworden.

Für meinen 91-jähirgen Vater bin ich ein junges Kücken. Ist halt alles relativ.

Dennoch merke ich, dass ich eben nicht mehr 30 bin, oder 40.
Seit meiner Lungenentzündung ist ja ohnehin nichts mehr, wie es mal war. Wenn ich mich einen Tag körperlich anstrenge, brauche ich zwei bis drei Tage zum Ausruhen. Das bringt mich auch nicht wirklich im Vorhaben des Umzuges voran.

Und doch … wir werden es schaffen und den Termin einhalten, den ich mir selbst gesteckt hatte. Ich habe einen Puffer eingebaut. Wohlweislich daran denkend, dass mein Mann erst anfängt, wenn der Termin verstrichen ist.

Was wird aus unserer Sprache?!

Wir leben in einer total bekloppten Zeit. Nicht nur, dass wir uns inzwischen daran gewöhnt haben mit Maske, (korrekter Ausdruck: Mund-Nasaen-Schutz) herumzulaufen und mit dieser furchtbaren Pandemie leben müssen, nein, es gibt Menschen, die verunglimpfen unsere schöne deutsche Sprache.

Mich hat schon immer der Ausdruck „das macht Sinn“ gestört, da es in der deutschen Sprache vollkommener Unsinn ist das Wort „Sinn“ derart zu gebrauchen. Man kann und sollte englische Redewendungen nicht eins zu eins übersetzten. Das ist nämlich überhaupt nicht sinnvoll.

Schlimm dabei ist auch, dass, wenn es nur lange genug und ständig angewendet wird, irgendwann im Duden auftauchen wird. Und ab da ist es dann ein Teil unserer Sprache geworden.

Gut, ich sehe ein, dass Sprache lebendig ist und sich ständig ändern und anpassen muss. Aber wenn etwas falsch ist, wird es nicht besser, wenn wir es so lange penetrant nutzen, bis es als richtig angesehen wird.

Was jedoch gerade mit unsere Sprache passiert schlägt dem Fass den Boden direkt ins Gesicht. Mir bluten die Ohren, wenn ich höre wie aus „Studenten“ „Studierende“ werden. Oder wenn ein Sprecher oder Sprecherin von „Studenten*innen“ spricht. Wohlgemerkt mit einer gewissen Auslassungslücke in der Sprache.

Für mich hat das weniger mit Gleichberechtigung oder Emanzipation zu tun. Viel wichtiger erachte ich, dass wir uns entsprechend verhalten und Menschen gleich behandeln. Ganz egal, welcher Herkunft, ob Mann oder Frau, oder sonst was für ein Geschlecht der Mensch hat oder haben möchte.

Wenn wir schon dem sprachlichen Wahnsinn verfallen, warum machen wir es dann nicht richtig?

So müsste aus „Schülern“ „Schüllernde“ werden.

Aus „Ministern“ „Ministrierende“

Aus „Verbrauchern“ „Verbrauchende“

Aus „Urlaubern“ „Urlaubende“

usw.

Euch fallen doch bestimmt noch viel mehr schwachsinnige Worte ein.

Dauermüde

… und ständig der Eindruck, als würden nachts mehrere Dampfwalzen den Weg über mein Bett nehmen.

Der Umzug geht erstaunlich gut voran.

Sieht man davon ab, dass sich die Räume im total Chaos befinden, ist es ein gutes Gefühl sich von den Altlasten zu trennen.

Dazu fällt mir doch der Besuch beim Wertstoffhof ein.

Ganz blöd, dass wir ausgerechnet in dieser Zeit umziehen, in der viele Menschen zuhause gefangen waren – alle wild entschlossen nun auch endlich mal auszumisten – und dadurch die Recyclinghöfe komplett überlastet sind.

Was nicht nur dazu führt, dass man mindestens eine Stunde anstehen muss, die Mitarbeiter sind auch äußerst unfreundlich, um es höflich auszudrücken.

Da kann ich nur sagen: „Augen auf, bei der Berufswahl.“

Die machen NICHTS, stehen nur dumm rum und pampen einen an, wenn man fragt, wo man die Altlasten entsorgen darf.

Schön und wesentlich erfolgreicher war der Besuch beim Sozialkaufhaus. Die haben wirklich alles genommen, waren dazu auch noch dankbar und zudem auch sehr freundlich.

So geht es also seinen Weg.

Ich versuche nicht emotional zu werden und alles rational anzugehen. Ist schon eigenartig nach 22 Jahren das Büro zu verlassen.

Aber unterm Strich auch einfach ein gutes Gefühl sich von den Altlasten zu trennen.

Das gibt den Blick frei für die Zukunft!

Ich wünsche euch ein traumhaftes Wochenende. Genießt es!

Schöne Aussichten

Das Wetter scheint eindeutig gegen mich arbeiten zu wollen.

Was ich derzeit gut gebrauchen könnte wäre Regenwetter. Nicht nur für die Natur wäre das sehr fein, ich könnte mich auch endlich mit vollem Einsatz um den Umzug kümmern.

Ich schaffe es beim besten Willen nicht, mich bei dem schönen Sonnenschein in die Garage zurückzuziehen – die wir als Lagerraum angemietet hatten – um mich der Sichtung der angesammelten Gegenstände der letzten 22 Jahre zu widmen.

Das Büro an sich sieht schon recht gut aus. Sieht man mal vom elenden Chaos ab, dass jetzt herrscht.

Die Garage hingegen macht mir echt Kopfschmerzen. Oder besser ausgedrückt: Ich könnte im Schwall kotzen!

Mann, Mann, Mann … ist das zu fassen, was man alles ansammelt, wenn man Platz hat?!

Immerhin bin ich insoweit beruhigt, dass ich das meiste aus meinen Flohmarktkisten und fast den gesamten Inhalt (Hausrat) der Küche bei Stilbruch, einem Sozialkaufhaus, abgeben kann.

Mir blutet das Herz Dinge, die noch super in Schuss sind, dem Müll zuzuführen. Schweren Herzens habe ich bereits mein Topfset, dass ich mir 1987 für DM 100,– gekauft hatte und was für mich damals ein Vermögen darstellte, da ich mit 100 Mark meinen Monatseinkauf an Lebensmitteln tätigen konnte, an Freunde verschenkt.

Im Prinzip ist das Set auch noch gut in Schuss und man sieht ihm nicht an, wie alt es ist. Aber wie viele Töpfe braucht man?

Wir zwar überdurchschnittlich viele, weil wir sehr viel kochen und gern auch für Gäste, wir sogar im Grunde immer einen Topf zu wenig hatten, aber dennoch, es reichte.

Nun haben wir allerdings noch die Töpfe meiner Schwiegermutter und die Töpfe der Großmutter, die vor 20 Jahren starb, meine Schwiegermutter sich aber von NICHTS trennen konnte, was ihr gehörte. (Ich habe Sachen gefunden … das glaubt einem auch kein Mensch.)

Wie dem auch sei … ich sollte mich in die Tiefen der Garage verkriechen und endlich Ordnung schaffen. Allein die vielen Datenträger, in dem Fall hunderte CDs, die vernichtet werden müssen.

Belegexemplare ohne ENDE!

Unter anderem eine komplette Ausgabe des „Herr der Ringe“-Table-Top-Spiels, Original verpackt.

Was soll ich jetzt damit?

Egal, ich lege mich jetzt wieder in die Sonne.

Ich hoffe, ihr könnt ebenso das schöne Wetter genießen. Ich wünsche es euch und zudem ein zauberhaftes Wochenende.

Das Schönste am Reisen ist …

… das nach Hause kommen.

Zurück im Norden. Der Urlaub in der Pfalz war wunderschön. Und Geschichtsträchtig. Wir haben so viel gesehen, dass ich meinte eine weiter Woche Urlaub zu brauchen, um mich von all dem zu erholen, was ich erlebt habe.

Hinzukam, dass ich mir kurz vor Abreise noch eine fiese Halsentzündung eingefangen hatte. Was mich zwang nichts weiter als lauwarmes Wasser zu trinken. Essen war ebenso kein Genuss und eine einzige Qual. Ich hoffte, dass ich es bis zum Urlaub hinter mir haben würde.

Und es wurde tatsächlich besser. Aber ganz fit war ich leider noch nicht.

Dennoch konnte ich immerhin wieder anständig schlucken und der Wein schmeckte wieder.

Ich war darum bemüht die Zeit in vollen Zügen zu genießen und nicht daran zu denken, was auf uns wartet, wenn wir wieder in Hamburg sind.

Der Umzug mit dem Büro steht nun an. Ich freu mich GAR NICHT!

Die Realität kann manchmal schon ein echtes Arschloch sein.

Und auch wenn mir die Gartenarbeit viel Freude macht, ist es eben nicht mein Garten. Es ist nicht mein Haus, was ich pflege. Dennoch verbringe ich viel Zeit dort. Und dadurch weniger Zeit in meinem Zuhause. Was mir langsam schon fremd wird.

Ich weiß nicht, wohin ich gehöre.

Das Leben ist nichts für Feiglinge und kann ebenso ein echtes Arschloch sein.

Und sonst so?!

1.  Der Sommer scheint aufgegeben zu haben. Oder macht er nur eine Pause?

2. Egal, ich kann endlich wieder schlafen.

3. Obwohl es recht frisch geworden ist, ist es dabei verdammt schwül. Was mich zum Schwitzen bringt.

4. Zum Schwitzen bringt mich auch der Umzug unseres Büros.

5. Unglaublich, was sich in 22 Jahren alles angesammelt hat.

6. Und man muss ALLES durchsehen.

7. Ich bin grad total überfordert und frage mich, wer verdammt noch mal diese verrückte Idee hatte mit dem Büro umzuziehen?

8. Blöderweise muss ich gestehen: das war ich!

9. Da muss ich jetzt durch. Denn wir haben bereits gekündigt.

10. Zum Glück fahren wir noch mal in den Urlaub. Und selbstverständlich bleiben wir in Deutschland.

Mit Abstand bist nur mir am liebsten

Alster im Sommer

Aus gegeben Anlass verweilte ich dieser Tage weniger an der Wasserkante. Sie fehlt mir.

Es ist weniger den Umständen um Corona geschuldet, dass die Wasserkante auf mich verzichten muss. Wir haben im Haus und Garten der Schwiegermutter einfach zu viel um die Ohren, als dass wir dann noch Lust und Zeit hätten uns auf den Weg zu machen.

Außerdem ist es im Garen ja auch sehr schön.

Als die Nichte um ein Treffen bat und ein Bootsanleger an der Wasserkante vorschlug, war ich begeistert und freute mich wahnsinnig. Nicht nur darüber sie wiederzusehen.

Immerhin ist es nun schon über ein Jahr her, dass ich dort war.

Wahnsinn, wie sich das Leben manchmal entwickelt und man quasi machtlos und ohnmächtig zusehen muss, wie es an einem vorbeizieht.

Nichts desto trotz mache ich das Beste daraus. Habe ja auch keine andere Wahl und Anbetracht des schönen Gartens wäre es vermessen sich zu beschweren.

Das Wetter war am Freitag ein Traum. Fast ein bisschen zu heiß. Umso schöner ist es dann am Wasser. Besser noch auf dem Wasser. Aber alle Boote waren natürlich ausgebucht.

Wir hatten Glück und sogar noch einen Platz ergattert, wenn auch in der Sonne. Aber direkt am Wasser, was wirklich schön war.

Weniger schön sind die Menschenmassen, die sich aufgrund des Wetters alle aufmachten  hinaus zu kommen. Was ich grundsätzlich verstehen kann.

Was ich allerdings überhaupt nicht verstehe, dass man jede Form von Abstand vergessen hat. Uns kamen ganze Gruppen an Menschen nebeneinanderschlendern entgegen. Mein Mann und ich gingen brav hintereinander, um Platz zu schaffen.

Jedoch niemand sonst schien das zu interessieren.

Die Gruppe nahm den gesamten Weg ein.
Wo also sollten wir hin, wenn nicht in die Alster zu springen?

Wir gingen im Grunde den gesamten Weg von uns zu Hause bis zum Bootsanleger im Entenmarsch. Ganz einfach weil NIEMAND auf die Idee kam sich an Abstandsregeln zu halten.

Was ist los mit den Menschen?

Ist ihnen die Hitze zu Kopf gestiegen?

Haben sie vergessen ihre Tabletten zu nehmen?

Was bittest  so schwer daran Rücksicht aufeinander zu nehmen?

Spießer-Alarm

Ich bin zu meinem eigenem Feindbild geworden

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1987. Aus Ermangelung finanzieller Mittel machen wir Urlaub mit meinen Eltern. Soll heißen: wir teilen uns ein großen Haus in der Toscana.

Mein Mann und ich und meine Eltern. In einem Haus!

Wir haben so wenig Geld, dass wir uns nicht mal ein Essen in einer Pizzeria leisten können. Als Dank, weil meine Eltern meist alles bezahlen – auch einen Großteil der Kosten für das Haus – laden wir meine Eltern ein. In eine Pizzeria. Alles andere wäre undenkbar gewesen. Und selbst das stützt uns in erhebliche Nöte, die uns zwingen den Rest des Urlaubs nur noch trocken Brot zu essen. Es sei denn, meine Eltern bezahlen.

Wir sind also abhängig von Ihnen.

Vielleicht war es auch das, was mich veranlasste dem Wahnsinn nahe zu sein, wenn ich meine Mutter mit einem Besen bewaffnet auf der Terrasse sah. Jeden Morgen, noch VOR dem Frühstück musste sie Fegen. Das tat sie zudem mit einer unendlichen Leidensmiene, weil außer ihr niemand auf den Gedanken gekommen wäre, jemals die Terrasse zu fegen. Ich hätte vor Wut in die Tischkante beißen können. Das ließ sich nur mit Grappa aushalten, den mein Vater und mein Mann gerne tranken und mein Vater grundsätzlich für Nachschub sorgte.

Das erste, was meine Mutter tat, als sie zum ersten Mal meine eigene Wohnung betrat: sie nahm sich einen Feger, um den Küchenboden zu reinigen.

Der sah zugegebenermaßen schlimm aus. War mir aber total egal, ich wollte mir ohnehin einen neuen verlegen. Wozu also noch Arbeit und Zeit in den Alten stecken?

Überhaupt war mir nicht klar, warum man so viel Aufhebens um Sauberkeit macht?

Das änderte sich über die Jahre.

Ich hasse noch immer zu putzen. Aber ich mag es dummerweise heute gern sauber.

Aber es kommt noch schlimmer:
Ich fege die Terrasse!

Nicht nur das, ich fege ALLE Terrassen. Zudem kam der Käscher zum Einsatz und ich habe alles, was gepflastert ist, vom Dreck der letzten Jahre befreit.

Und: Wir haben den Weg vor dem Haus derart gepflegt, dass nun alle sicher denken, das hier die Ober-Spießer leben.
Nachdem das Unkraut und Laub entfernt wurde, harke ich quasi einen Zen-Garten vor das Haus. Und wehe, da tritt jemand drauf.

Ich werde im Alter wirklich wunderlich.

Regeln und Gesetze

Anarchie ist keine Lösung, auch wenn uns manche Regeln  unnötig und überflüssig erscheinen.

Je älter ich werde, desto mehr kann ich den Sinn und Zweck verstehen. Es sind die Werte, die unsere Gesellschaft ausmachen, die ein Leben miteinander ermöglichen.

Umso mehr nerven mich Menschen, die glauben, dass unsere Gesetze für alle gelten, außer für sie selbst. Sich dann auch noch darüber aufregen, wenn es Strafen gibt.

Das gilt vor allem im Straßenverkehr.

Geschwindigkeitsüberschreitungen und das Überfahren von roten Ampeln scheint in vielen Köpfen als legitimes Vergehen angesehen zu sein, dass ja im Grunde gar keines ist. Das ist nichts weiter als Schikane und eine Möglichkeit für den Staat uns das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Da kann ich einfach nur sagen:

Halt dich gefälligst an die Regeln!

Ich habe seit 37 Jahren einen Führerschein. Auch wenn ich viel mit dem Rad unterwegs bin, fahre ich doch auch mit dem Auto. Zudem fahre ich wirklich gern. Mir macht das durchaus Spaß. Ich bin zügig, aber niemals zu schnell unterwegs – jedenfalls nie über die Maßen, dass es schlimm wäre. Vor allem in 30er-Zonen fahre ich vorschriftsmäßig. Weiß ich doch, warum diese eingerichtet wurden.

Ich finde es gut und richtig, dass die Strafen erhöht wurden. Meiner Meinung hätten die Strafen gern noch höher ausfallen dürfen. Vor allem aber finde ich, dass die Strafe für das Nutzen von Mobilgeräten während der Fahrt drastisch angehoben gehören. Hinzukommt, dass dieses Vergehen auch geahndet werden sollte.

Das wäre so einfach. Die Polizei bräuchte sich lediglich an eine beliebige Kreuzung zu stellen. Ich fürchte beinah jeder müsste eine Strafe zahlen. Jedenfalls fällt mir an jeder Ampel auf, dass im Prinzip JEDER ein Smartphone in den Händen hält, sobald das Auto zum Stehen kommt. Viele behalten es auch während der Fahrt in der Hand und schauen aufs Display.

Dennoch: Ich bin neulich das erste Mal geblitzt worden!

Und das ausgerechnet in einer 30er-Zone.

Und ehrlich: es regt mich grad tierisch auf.

Ich fuhr an einem Samstag zu einer Beerdigung auf den Ohlsdorfer Friedhof. Auf dem Weg dorthin passierte ich eine Straße, in der sich Schule an Schule reiht. Die Straße ist wie ein Schildbürgerstreich. Es folgt Schild auf Schild.

„Schule – auf 150 m 30 kmh – werktags von 6 – 22 Uhr“

„Schule – auf 100 m 30 kmh – werktags von 6 – 22 Uhr“

„Schule – auf 200 m 30 kmh – werktags von 6 – 22 Uhr“

Ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele Schilder und ob es mehr als drei waren. Ich fuhr jedenfalls brav 30 kmh. Vor mir ein Wagen, der es sehr eilig hatte. Ich dachte mir noch, wie bescheuert der sei, wo doch gerade die Strafen angehoben wurden und man bei 20 kmh Überschreitung den Führerschein los ist.

Nach einer Weile schaute ich mich um, ob ich denn nun wohl endlich die Schule passiert hätte, denn ehrlicherweise habe ich nicht im laufenden Verkehr auf den Tageskilometerzähler geschaut, um zu wissen, wann die vorgeschriebenen Meter vorbei seien. Zumal sich ein Schild nach dem anderen anschloss.

Ich glaubte, die Schulen hinter mir gelassen zu haben und beschleunigte langsam. Einfach auch, weil ich mir nicht sicher war.

Und zack – geblitzt!

Das hat mich nun € 30,00 gekostet.

Selbst Schuld kann ich da nur sagen.

Ich ärgere mich dennoch.

Warum kann man in so einer Straße nicht einfach generell eine 30er-Zone einrichten?

Das wäre nur zwei Schilder. So sind es mindestens sechs.

Speziell

Als ich den Eintrag über meine Großmütter schrieb, fiel mir auf, wie speziell meine Mutter ist.

Wenn man den Post liest, könnte man meinen, ich sei sehr alt. Inzwischen muss ich zwar für mein Geburtsjahr ziemlich weit heruntersollen, wenn das in einem Onlineformular von mir verlangt wird, aber dennoch bin ich auch nicht so alt.

Als ich 1979 mit 14 Jahren konfirmiert wurde, bekam kein Mensch Geschenke für die Aussteuer. Keine meiner Freundinnen wusste überhaupt was eine Aussteuerkiste ist.

Meine Mutter hingegen fand das sehr praktisch. Nicht in dem Sinn, wofür eine Ausstreut gedacht war: Der Familie des Anwärters für eine Hochzeit zu beeindrucken und dazu zu bewegen den Bund der Ehe überhaupt erst einzugehen.

Meine Mutter meinte, dass es gut sei, wenn ich alles Notwendige bereits besitzen würde, wenn ich mit einem Mann zusammenziehen würde, denn üblicherweise haben Männer für Haushaltsgegenstände überhaupt keine Antenne und es würde sie zudem nicht interessieren.

Als ich mit Anfang 20 das elterliche Heim verließ, zog ich selbstverständlich nicht mit einem Mann zusammen, sondern in meine eigene kleine 45 qm Wohnung.

In die ich dann meine riesige Aussteuer-Kiste mitnahm. Inzwischen war diese Prall gefüllt und reichte bei weitem nicht mehr aus. Ich sammelte tatsächlich alles, was ich für meinen ersten eigenen Haushalt brauchte.

Mit 14 fand ich die Aussicht auf ein eigenständiges Leben fantastisch. Bei jedem Stück, dass ich mir kaufte oder schenken ließ, stellte ich mir vor, wie schön es wäre endlich nicht mehr in der Enge der elterlichen Obhut leben zu müssen. Enge ist in dem Sinn nicht als begrenzter Raum zu werten. Vielmehr war es die ständige Beobachtung und der Wunsch nach Kontrolle meiner Mutter.

Tatsächlich war es sehr praktisch, dass ich quasi alles besaß, was man zum Leben brauchte. Geschirr in ausreichender Menge, Besteck, Handtücher, Bettwäsche, Töpfe, Pfannen und den Rest entnahm ich der Küche meiner Mutter. Alles, was ich kaufen musste, waren Elektrogeräte.

1985 gab es zwar bereist das schwedische Möbelhaus, die Zeit für Start-Kisten war allerdings noch nicht angetreten. Außerdem lag das Möbelhaus weit vor den Toren Hamburgs. Das war jedesmal ein großer Ausflug und meist fuhr man mit Freunden, damit man sich das Benzingeld teilen konnte.

Dumm nur, dass sich im Laufe der Jahre mein Geschmack veränderte. Was ich als junger Teenager noch als wunderschön empfand, war mit Anfang 20 nichts, was ich mir gern auf den Tisch stellte. Ich nutzte es dennoch so lange, bis ich Geld hatte, um mir Neues zu kaufen. (Aus dieser Zeit lebt nun nur noch ein Bistro-Besteck mit mir zusammen.)

Aber nicht nur die Aussteuer-Kiste war etwas merkwürdig. Meine Mutter beschloss, dass für mich als Mädchen die Kindheit mit dem erreichen eines zweistelligen Lebensalters vorbei war. Fortan war ich für den Haushalt zuständig. Ich musste mich nicht nur um meine eigene Wäsche kümmern, sondern auch um die Wäsche der Familie. Ich musste lernen, wie man anständig bügelt, Socken stopft, richtig putzt und kocht. Es ist kaum einer Erwähnung wert, dass mein Bruder das alles nicht lernen musste. Der würde schließlich später eine Frau haben. Zumindest in der Welt meiner Mutter war das so.

Mein Mutter verstand nicht, dass sich die Zeiten geändert hatten. In ihrer Welt liefen die Uhren eben anders.