Flimmerkiste zwei

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Irgendwann habe ich tatsächlich herausgefunden, wofür diese gefährliche rote Knopf an der Fernbedienung wirklich ist.

Eines Tages drückte ich versehentlich drauf. Mit Schrecken erwartete ich die Explosion des Fernsehers. Doch es geschah nichts weiter, als dass der Bildschirm schwarz wurde. Jetzt hatte ich ihn also doch kaputt gemacht. Auf keinen Fall traute ich mich, den Knopf erneut zu drücken. Wer wusste schon, ob es dann nicht doch noch zur Explosion kommen würde.

Unter Tränen beichtet ich meinem Bruder, dass ich den Fernseher kaputt gemacht hatte und hoffte darauf, dass er mir helfen würde dies den Großeltern zu erzählen, denn schließlich war es ihr Fernseher.

Meine Eltern hatten zwar inzwischen den alten Kasten entsorgt, aber der neue Fernseher war noch immer Schwarz-Weiß und hatte erst recht keine Fernbedienung.

Heute kann man sich das alles ja kaum noch vorstellen.

Als meine Nichte noch recht jung war, wollte sie unbedingt einen Fernseher in ihrem Zimmer haben, was ihre Eltern natürlich nicht erlaubten. Woher auch immer sie erfahren hatte, dass ich in ihrem Alter einen in meinem Zimmer hatte, dieses Wissen wollte sie nun anwenden, um ihren Willen durchzusetzen.

Da musste ich ihr erklären, dass es kein Problem darstellte einen eigenen Fernseher zu haben, da es ja kein Programm gab. Als meine Eltern endlich einen Farb-Fernseher kauften, wollten sie den alten nicht entsorgen und so wurde er in meinem Zimmer abgestellt.

Die Nichte verstand kein Wort. Wie konnte es kein Programm geben?
„Weil es überhaupt nur zwei Sender gab. Das dritte Programm wurde erst am späten Nachmittag zugeschaltet oder diente zu Lehrzwecken und es wurde Schulfernsehen gezeigt“, berichtete ich.
Ungläubig sah sie mich an.
„Stell dir vor, da hättest du dann nachmittags Mathe lernen können.“
Jetzt stand Entsetzen in ihrem Gesicht.

Heutzutage gibt es ja nicht mal mehr eine Sendepause in der Nacht. Kein Pausenbild mehr, keine Störungs-Bilder, die eingeblendet wurden, wenn die Verbindung mal wieder fehlgeschlagen war. Sensationell waren doch die süßen Katzen, die durch das HR-Logo kletterten, um die Wartezeit zu verkürzen.

Flimmerkiste

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Es gibt tatsächlich Menschen meiner Generation, die sind noch ohne Fernseher aufgewachsen.
Mein Mann zum Beispiel. Seine Eltern fanden die Errungenschaft des Fernsehens überflüssig und sogar abstoßend. Bis die Lehrerin meines Mannes, der damals in die Schule kam, seine Eltern überzeugte doch einen anzuschaffen, denn das arme Kind könnte sich nicht mit den anderen unterhalten und sei außen vor.

Im Haushalt meiner Eltern gab es schon immer einen Fernseher. Meine erste Erinnerung daran ist aus dem Jahr 1969.

Meine Eltern waren vollkommen aus dem Häuschen. Ich war ja gerade erst vier. Bereits am Nachmittag wurde der riesige Kasten eingeschaltet.
„Mach ihn schon mal an“, sagte meine Mutter aufgebracht zu meinem Vater, „das dürfen wir auf keinen Fall verpassen.“

Damals dauerte bis zu einer halben Stunde, bis sich langsam aus der Mitte der Röhre heraus langsam ein Bild zeigte. Die Fläche war winzig im Verhältnis zum Kasten, der dafür gebraucht wurde.

Ich sollte mich vor den Fernseher setzen und Bescheid geben, wenn sich was tat.

Dann endlich bewegten sich die Schwarz-Weiß-Bilder und ich rief meine Eltern und meinen älteren Bruder. Die Aufregung stieg ins unermessliche. Mein Vater konnte es nicht fassen, was ihm der Fernseher projezierte.

Ich versuche krampfhaft etwas zu erkennen. Doch hauptsächlich sah ich Schnee. Das Bild wurde regelmäßig durch einen schwarzen Balken unterbrochen, der von unten nach oben lief. Dann sah man zwei Menschen, die sich komisch bewegten. Was sollte daran denn nun so toll sein?

Nach kurzer Zeit war alles wieder vorbei und die Kiste wurde wieder ausgestellt. Wieder dauerte es eine halbe Stunde, bis der helle Punkt in der Mitte der Röhre vollkommen verschwand.

Mein Vater rannte aufgebracht durchs Haus.
„Unglaublich“, rief er, „wir sind tatsächlich auf dem Mond gelandet.“

Aha, dachte ich, ich war nicht auf dem Mond. Und außerdem, was war denn so toll daran? Warum sollte man denn NICHT auf dem Mond herumspazieren?
Ich beschäftigte mich lieber wieder mit meinen Puppen.

Viel interessanter war doch das Kinder-Programm. Was früher nicht oft gesendet wurde. Meist sahen wir Kinder das gemeinsam. Verpasst haben wir es jedoch nie. Irgendein Kind achtete penibel darauf, wie spät es war. Eine Mutter musste dran glauben und alle Kinder vor dem heimischen Fernseher ertragen. Bis auf Susi.

Die durfte nie jemanden mitnehmen. Aber anstatt dass sie mit uns kam, ging sie allein nach Hause.

„Ich seh das heute in Farbe“, waren ihre schnippischen Worte, bevor sie verschwand.

Auch das verstand ich nicht. Ich seh doch auch alles in Farbe.

„Menno, bist du blöd“, sagte ein Kind, „die haben einen Farb-Fernseher.“

„Aha, und was soll das sein?“

„Die sehen das Bild in Farbe, Mann, bist du bescheuert.“

Zugegebenermaßen war ich noch recht jung. Mein Vorstellungsvermögen war noch nicht ausgeprägt. Als dann Jahre später die Fernbedienung erfunden wurde, war ich deutlich abgeklärter. Aber ich glaubte noch immer, was mein Bruder mir dazu sagte:

„Pass auf, dass du NIEMALS den roten Knopf drückst. Das ist der Selbstzerstörungsknopf und dann fliegt der Fernseher in die Luft.“

Wasser auf meine Mühlen

Gestern sah ich einen Bericht über Rad-Polizisten in Köln.
Erschreckenderweise häufen sich die Unfälle mit Radfahrern. Was mich dabei weniger erstaunte, war die Tatsache, dass 50 Prozent der Unfälle durch Radfahrer selbst hervorgerufen werden.

Dem wolle man nun mit einer fahrradfahrenden Polizei-Staffel entgegenwirken.

Das Bild des uneinsichtigen Fahrradfahrers wurde mit diesem Bericht bestätigt. Ein Fernsehteam hat die Arbeit der Polizei begleitet. Natürlich wurden dabei auch Fahrradfahrer befragt, wie sie die ganze Sache sehen.

Es überrascht wenig, dass die befragt Radfahrer vollkommen uneinsichtig waren und es als Abzocke ansahen, eine Strafe für das überfahren einer roten Ampel zahlen zu müssen.

„Wenn ich nicht über Rot fahre, dann komme ich als Radfahrer ja immer zu spät und könnte dann ja gleich zu Fuß gehen“, so die Aussage einer ertappten Radfahrerin.

Wie wäre es damit die Verkehrssituation besser einzuschätzen und früher loszufahren?

Ich brauche für den Weg ins Büro knappe 30 Minuten mit dem Rad. Wenn ich mich nicht an Verkehrsregel halte, schaffe ich die Strecke in 20 Minuten. Aber ist das ein Grund nun die Straßenverkehrsordnung zu missachten?

Ich denke nicht. Stellen wir uns nur mal vor, das würden auch Autofahrer so sehen. Immerhin ist es echt lästig an roten Ampel zu halten. Das kostet Zeit.
Wir hätten Anarchie auf unseren Straßen und es würde sicher nicht lange dauern, bis Menschen mit Gewalt ihr Recht durchsetzen wollen.

Warum nur glauben Radfahrer, sie hätten grundsätzlich das Recht auf ihrer Seite und bräuchten sich nicht an die für alle geltende Straßenverkehrsordnung zu halten?

Fasten

Was ist dran am Fasten?

Zufällig habe ich gestern im Fernsehen eine Ernährungsberaterin gesehen, die meinte, dass ein gesunder Körper nicht fasten müsste. Unser Körper sei bereits so ausgelegt, dass wir automatisch alles aus unserem Körper filtern, was da nicht hingehört.

Wahrscheinlich ist mal wieder die Dosis das Gift.
Mein Körper bleibt so lange gesund, so lange ich mich ausgewogen ernähre und nichts übertreibe.

Bisher habe ich noch nie gefastet. Sieht man von Krankheitsbedingten Fasten einmal ab. Vor Jahren hatte mich die Grippe so schlimm erwischt, dass ich eine Woche nichts anderes zu mir nehmen konnte als Wasser.

Es gibt Menschen, die Fasten aus spirituellem Antrieb heraus. Andere um abzunehmen. Oder einfach nur, um sich einer Herausforderung zu stellen.
Wieder andere legen das Fasten sehr viel weiter aus und beziehen es nicht ausschließlich auf Lebensmittel.
Sie verzichten für eine bestimmte Zeit aufs Fernsehen oder aufs Auto.

Sehr beliebt ist der Verzicht auf Zucker.
Was sicher eine gute Sache ist. Und sei es nur, dass man sich mit der Ernährung mehr auseinandersetzt. Es ist erstaunlich wo sich überall Zucker findet.

Quasi nichts ist ohne Zucker. Was kein Wunder ist. Ist Zucker doch ebenso wie Fett Geschmacksträger.

Obwohl ich weitestgehend aus gesundheitlichen Gründen auf Zucker verzichten muss, koche ich doch auch mit Zucker. Kein Gericht, an dem nicht eine Priese Zucker gehört.

Jetzt werden viele innerlich mit den Augen rollen und denken, ich sei ein Spinner. Ich darf keinen Zucker essen und koche dann damit?! Paradox.
Erstaunlich dabei ist jedoch, dass ich mit einem Kilo Zucker sicher über ein halbes Jahr oder länger auskomme.

Ich habe es mir komplett abgewöhnt süß zu essen oder zu trinken. Seit Jahren esse ich keinen süßen Brotaufstrich. Nur sehr selten stehen Kuchen auf meinem Speiseplan. All die leckeren Süßen Dinge sind für mich verboten.
Meistens macht es mir auch nichts aus, dass ich darauf verzichten muss.

Daher kommt ein traditionelles Fasten für mich nicht in Frage. Ich muss für den Rest meines Lebens auf Zucker verzichten, warum sollte ich mir dann über einen bestimmten Zeitraum noch mehr Dinge verwehren?

Mir stellt sich zudem die Frage, ob mich Fasten zu einem besseren Menschen macht?

Außer, dass es mich eben manchmal echt nervt, dass ich auf Zucker verzichten muss, hat sich mein Leben jedoch überhaupt nicht verändert.
Wobei mich am meisten nervt, dass ich mich ständig erklären muss, wenn ich der Aufforderung Kuchen zu essen, nicht nachkomme. Man begegnet mir mit Unverständnis. Ich hätte es doch nicht nötig abzunehmen, ich hätte doch so eine tolle Figur.

Das ist wohl dem Schwarz-Weiß-Denken unserer Gesellschaft geschuldet.
Manchmal habe ich aber auch den Eindruck, als ob ich mit meinem Verhalten anderen einen Spiegel vorhalte. In dem Moment, wo ich es ablehne, haben sie ein schlechtes Gewissen, weil sie wissen, dass es besser wäre, wenn sie auch drauf verzichten würden.

Dabei wäre ich froh, wenn ich wieder alles essen könnte, was ich wollte, ohne darüber nachdenken zu müssen.
Wobei es sicher auch nicht schlecht ist, wenn man eben nicht alles Gedankenverloren in sich hineinstopft.

Lebende Leichen

Gestern musste ich mit der U-Bahn nach Hause fahren. Erstaunlich, wie voll die Bahn war, obwohl es noch früher Nachmittag war.

Ein Gutes hat es ja derzeit: Ich bin das wandelnde Viren-Mutterschiff.

Dennoch habe ich Sorge mir auch noch eine Erkältung aufzusacken. Also fasse ich nix an, wenn dann nur mit Handschuhen.

Da es noch früh war, bin ich davon ausgegangen einen Sitzplatz zu bekommen. Daran war nur überhaupt nicht zu denken. Derzeit sind wirklich viele Touristen in der Stadt. An den Stationen am Hafen stiegen jedenfalls Unmengen davon ein. Ich wusste, sie steigen alle spätestens am Hauptbahnhof wieder aus. Doch ob ich es schaffe, mich bis dahin auf den Beinen zu halten?
Ich war kurz davor jemanden zu bitten mir seinen Sitzplatz zu überlassen. Aber das war mir dann doch zu peinlich. Und irgendwie habe ich es dann auch überstanden. Habe mich aber dennoch für zwei Stationen hingesetzt, als am Hauptbahnhof wirklich die Masse ausgestiegen war.

Heute morgen musste ich dann nochmal zum Arzt mir ein Rezept abholen.
Das, so dachte ich, konnte ja nicht so schlimm werden. Schnell an der Rezeption das Rezept entgegennehmen und auch schnell wieder raus.

Aber nein, zu früh gefreut. Der Arzt wollte noch kurz mit mir sprechen, wie ich das neue Medikament vertrage. Dafür bräuchte ich mich jedoch nicht im Wartezimmer aufzuhalten.
Nichts desto trotz musste ich kurz warten und konnte durch eine Glasscheibe ins Wartezimmer blicken. Mann, unglaublich, es war noch immer voll mir halbtoten Menschen. Viele konnten ihre Augen nicht öffnen, saßen halb in sich zusammengesunken und haderten mit ihrem Schicksal.
Es tröstet mich gerade wenig, dass es auch andere getroffen hat. Mich erschreckt das vielmehr.

Passt also bitte alle auf euch auf. Die Grippe ist echt kein Spaß.

 

Plage und Stolz

Gefühlt bin ich schon eine Ewigkeit krank. Tatsächlich gehe ich erst in die dritte Woche.

Ein Ende ist jedoch nicht in Sicht. Ich bin immer noch ziemlich kaputt. Unglaublich, was so kleine Viren für Auswirkungen auf den Körper haben.

Zu Hause mag ich jedoch nicht mehr sein. Es ist langweilig. Vor allem, wenn man zu schwach für alles ist. Selbst das Lesen strengt mich an. Da bleibt dann nur noch der Fernseher.

Inzwischen weiß ich, warum viele nur noch streamen. Das normale Fernsehprogramm ist einfach nicht auszuhalten. Es ist so schlimm, dass ich die Werbeunterbrechung bereits als Segen empfinde. Wer kann sich das nur ansehen?

Zum Glück gibt es ja noch die Spaten-Kanäle der öffentlich rechtlichen Sender. Da lernt man dann immerhin noch was. Doch auf Dauer ist das auch keine Alternative.
Bleibt noch die Konserve in Form von DVD.

Doch alles ist irgendwann einfach nur langweilig.

Darum bin ich jetzt froh, wieder am Schreibtisch zu sitzen. Auch wenn es langsam voran geht.

Ich versuche es positiv zu sehen. Wenn ich dann endlich wieder joggen kann, wird es sicher abends hell sein. Es ist ja jetzt bereits um 18 Uhr noch hell. Ein Traum.

Ein weiterer Traum ist auch meine erste Rezension für den dritten Teil der Schmetterlings-Trilogie. Zumal sie auch noch richtig gut ausgefallen ist.
Es ist ja nicht nur so, dass ich gern wissen möchte, wie meine Geschichten ankommen, es hilft natürlich auch die Verkaufszahlen zu erhöhen.

Doch das Wichtigste ist mir tatsächlich zu erfahren, wie meine Romane ankommen. Es motiviert mich weiter zu machen. Es juckt bereits in den Fingern und ich will endlich wieder Schreiben.

Doch dafür muss ich erst richtig gesund werden.

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Blöde Idee

Es war wirklich das Dümmste, was ich in letzter Zeit getan habe.

Immer wieder frage ich mich, warum ich ausgerechnet dann zur Routine-Untersuchung zum Arzt in der Hoch-Phase der Grippe-Welle gehen musste?

Als ich mich ins Wartezimmer setzte, wurde mir schon ganz schlecht. Natürlich sitzen beim Arzt meist Menschen, die krank sind. Das liegt wohl in der Natur der Sache an sich. Aber derzeit ist das echt kein Spaß. Vor allem, da die meisten Menschen noch nichts davon gehört haben, NICHT in die Hand zu niesen oder zu husten, sondern in die Ellenbeuge.

Wie ein Mantra sprach ich zu mir selbst: „Fass hier bloß nichts an!“

Eine Woche nach meinem Besuch beim Arzt war ich gutes Mutes. Hatte ich mich doch nicht angesteckt. Juhu!

Doch zu früh gefreut. Eine Woche später fand ich mich erneut zum Impfen in die Praxis ein. Dieser Besuch war kurz, ich brauchte nicht im Wartezimmer Platz nehmen. Trotzdem hatte es mich erwischt.

Innerhalb weniger Stunden war ich sterbenskrank.
Noch hoffte ich auf die Nebenwirkung der Impfung. Aber nach drei Tagen mit hohem Fieber war mir klar, dass es etwas anderes sein musste.

Was soll ich sagen, das liegt nun über eine Woche zurück.

Das Fieber ist inzwischen gewichen, aber ich bin noch immer krank.
Ein Traum.

Ich versuche es positiv zu sehen, so nehme ich endlich mal wieder ein bisschen ab. Das hat doch auch was.