Hab ich das geschrieben?

Aufgrund akuten Zeitmangels kam ich in den vergangenen Tage wenig zum korrigieren meines lektorierten Werkes. Dabei ist mir klar, dass wenn ich bis Weihnachten den Roman veröffentlichen will, ich mich ranhalten muss.

Darum habe ich mir den gestrigen Abend dafür freigehalten und NICHTS anderes getan. Nicht mal zum Essen bin ich gekommen.

Ich konnte mich einfach nicht losreißen. War total gebannt von der Geschichte und zudem erstaunt, dass ich das geschrieben haben sollte.

Natürlich kann ich mich an die Geschichte an sich erinnern, doch was genau passiert, das schien in gewisser Weise mein Gedächtnis verlassen zu haben. So war es, als ob ich diesen Roman zum allerersten Male lese.

Die Worte, die ich mit Buchstaben zu ganzen Sätzen forme, scheinen mein Hirn für immer verlassen zu haben, sobald ich diese mit den Fingern auf der Tastatur in meinen Rechner getippt habe.

Wenn meine Leser ebenso gebannt sind wie ich, dann haben ich alles richtig gemacht.

Ich bin jetzt schon gespannt, wie die Geschichte und die damit verbundene Heldenreise meiner Protagonistin ankommen wird. Und natürlich wird am Ende wieder alles gut.

Einmal hatte ich es gewagt eine Liebesgeschichte OHNE Happy End zu schreiben. Das kam gar nicht gut an.

Generell bin ich überrascht, dass ich mich noch mal auf eine Liebesgeschichte einlassen konnte. Dachte, ich kann das gar nicht mehr. Anfänglich fiel es mir schwer. Vor allem weil ich niemanden sterben lassen konnte. (Wobei ich gestehe, dass ich nicht ganz umhin kam doch jemanden sterben zu lassen).

Damit ihr einen Einblick in mein neues Werk bekommt, folgt hier nun das erste Kapitel für euch.

Ich wünsche euch ein tolles Wochenende. Macht was draus!

1. Glück

„Hast du Lust auf Urlaub?“

„Was hast du gesagt?“

„Urlaub“, die Stimme wurde lauter, „Ob du Lust auf Urlaub hast?“

Es lag nicht daran, dass sie Laura nicht verstand. Akustisch kam ihre Stimme glockenklar aus dem Hörer ihres Telefons. Es war vielmehr der Überraschungseffekt. Der Zeitpunkt einer solchen Frage war äußerst schlecht gewählt. Tessa saß gerade an einer kniffligen Aufgabe. Die durchaus auch etwas mit Urlaub zu tun hatte, nur nicht mit ihrem. Tessa hatte seit einigen Monaten die Leitung der Personalabteilung übernommen. Ein Schritt, der sie dem Erfolg ihrer Karriere ein Stück entgegenbrachte. Dabei gehörte nicht allein ihre Arbeit zur Erfüllung ihres Lebens. Schon lange wartete sie darauf schwanger zu werden. Immerhin würde sie bald zweiunddreißig Jahre alt werden. Zu ihrem Lebenskonzept gehörte es, mit Dreißig eine Familie zu haben. Daran arbeitete sie schon ihr ganzes Leben. Das war ihr Traum. Der sich bisher sehr gut entwickelte. Alles, was sie sich gewünscht hatte, war eingetreten. Steffen hatte sie vor sieben Jahren geheiratet. Als sie ihn kennenlernte, wusste sie gleich, dass er ein guter Mann sein würde. Er wäre der perfekte Vater. Zur Erfüllung ihrer Träume hatten sie vor zwei Jahren ein Haus am Stadtrand gekauft. Das alles gehörte zu ihrem Plan. Zur Umsetzung ihrer Träume. Dass sie nun die Leitung der Personalabteilung übernehmen konnte, war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Sie war glücklich. Eine Zufriedenheit, die durch nichts getrübt werden konnte.

Außer der Frage ihrer besten Freundin Laura, die so unvermittelt gestellt wurde, dass sich Tessa einfach nicht darauf konzentrieren konnte. Ihre gesamte Aufmerksamkeit hatte auf der Organisation der Urlaubsbelegung ihrer Kollegen gelegen. In einem der größten Hotels Hamburgs war das eine echte Herausforderung.

„Was redest du da?“, fragte Tessa. „Ich habe für so was grad echt keine Zeit.“

„Du sollst ja auch nur darüber nachdenken. Davide und ich fahren für ein paar Wochen in seine Heimat. Er will sich um seine Mutter kümmern, der geht’s nicht so gut. Da werden wir die Gelegenheit nutzen und gleich ein wenig Urlaub machen.“

„Und was wird aus dem Restaurant?“

Auch wenn Tessa eigentlich absolut keine Zeit hatte, sich mit Laura auseinanderzusetzen, wenn es um die Existenz ihrer Freundin, beziehungsweise ihres Mannes ging, musste sie Prioritäten setzen. Sie hatte keine Sorge, dass Davide ebenso ein guter Mann war wie Steffen. Immerhin war Laura schon viel länger mit ihm zusammen als sie mit Steffen. Dass es jemals so lange halten würde, war Tessa anfänglich nie in den Sinn gekommen. Wie lange konnte ein Urlaubsflirt schon dauern? Doch es stellte sich heraus, dass aus dieser überaus schnellen Verliebtheit echte Liebe wurde. Zudem war es ein unglaublicher Zufall, dass sich die beiden in Italien über den Weg liefen, denn Davide lebte seit seiner Kindheit in Hamburg. Sein Vater trennte sich von seiner Frau, um in Deutschland seinen Traum vom eigenen Restaurant umzusetzen. Diesen Traum führte Davide weiter. Lediglich mit dem Unterschied, dass er nicht die kleine Pizzeria übernahm, sondern ein eigenes, sehr nobles Restaurant eröffnete. Anfänglich mit mäßigem Erfolg. Doch er bewies Durchhaltevermögen und inzwischen gehörte es zu einem der besten und angesagtesten Restaurants der Stadt. Das sollte schließlich so bleiben. Wie kam er nur darauf, für einige Wochen nach Italien zu fahren?

„Das ist kein Problem. Ein Freund unterstützt ihn, damit er sich in Ruhe um seine Mutter kümmern kann.“

„Kann man dem denn vertrauen?“

Tessa hatte den Kugelschreiber aus der Hand gelegt und sich in ihrem Stuhl zurückgelehnt. Jetzt war es egal und sie längst aus dem Ablauf ihrer Planung herausgerissen, da konnte sie sich nun auch der Probleme ihrer Freundin widmen.

„Tessa, Süße, der Freund ist natürlich auch Italiener.“

„Ja und, was heißt das schon?“

„Du hast noch immer keine Ahnung, wie das mit denen funktioniert.“

„Immerhin hat er eine Deutsche gegen den Willen seiner Familie geheiratet.“

„Das ist doch was ganz anderes und außerdem haben sie mich schon lange akzeptiert. Das war nur der erste Schock und weil sie mich nicht kannten.“

Laura entsprach dem typischen Bild, das man von einer deutschen Frau hatte. Was im Grunde Blödsinn war, denn auch in Italien, zumindest im Norden, aus dem Davide stammte, gab es durchaus auch blonde Menschen. Vielmehr war es wohl die Enttäuschung seiner Mutter, dass Davide ebenso wie sein Vater in Deutschland bleiben und nie mehr zurück in die Heimat kommen würde.

Tessa liebte ihre Freundin wie eine Schwester. Ihr größter Wunsch waren Geschwister, doch ihre Eltern waren der Meinung, dass die Familienplanung mit einem Kind abgeschlossen sei. Daher hing Tessa an Laura. Ganz egal was auch immer passierte, sie blieb ihr treu. Sie war ein Teil Tessas Familie. Zu der man eben auch in schwierigen Zeiten hielt. Selbst wenn man nicht einer Meinung war. Ein Leben ohne Laura konnte sich Tessa nicht vorstellen. Seit ihrer frühesten Kindheit gehörte Laura dazu. Sie war eines von drei Kindern der Nachbarn. Ihre Eltern freundeten sich mit ihnen an und so spielten die Kinder schon früh miteinander. Zeitlich trennten Tessa und Laura lediglich ein paar Monate. Daher wurden sie zusammen eingeschult. Seit dieser Zeit waren sie unzertrennlich. 

Freunde kamen und gingen, aber die Freundinnen konnte nichts auseinander bringen. So war es eben, wenn man zu einer Familie gehörte. Dabei waren die Frauen äußerlich vollkommen unterschiedlich. Hatte Tessa glatte braune Haare, die sie meist zu einem Zopf zusammengebunden trug, war Lauras blonder Lockenkopf immer akkurat kurz geschnitten. Laura hasste ihre krausen Haare. Sie meinte, es störe sie beim Sport. Auch etwas, was die beiden kolossal unterschied. Tessa war der Prototyp eines unsportlichen Menschen. Jede Art von Bewegung war ihr verhasst. Während Laura nicht genug davon bekommen konnte. Diese Leidenschaft teilte sie mit Steffen, dass Tessa manches Mal dachte, Laura würde viel besser zu ihm passen. Während es sich Tessa gemütlich auf dem Sofa machte, trainierten Laura und Steffen gemeinsam für den Marathon. Jetzt überlegten sie sogar am Triathlon teilzunehmen. Eine Steigerung der Unvorstellbarkeit, die Sport mit sich brachte. Auf keinen Fall wäre Tessa auf den Gedanken gekommen sich derart zu quälen.

Dafür neckte Laura sie und meinte, sie sei bindegewebsschwach. Niemand hätte das zu Tessa sagen dürfen. Sie wäre tief beleidigt gewesen. Doch sie wusste, wie Laura es meinte. Tessa war durchaus bewusst, dass Sport eine Möglichkeit war, sich nicht nur fit, sondern auch sein Gewicht im Zaum zu halten. Tessa wollte attraktiv sein. Immerhin war Steffen ein gut aussehender Mann. Doch an seiner Liebe zweifelte sie niemals.

„Und warum sollte ich jetzt Urlaub machen?“, fragte Tessa, die gedanklich vollkommen aus dem Konzept gebracht war und sich nun auch dieser Frage stellen konnte.

„Damit ich nicht so allein bin und mich langweile.“

Im Gegensatz zu Tessa wollte Laura keine Kinder. Die Familie ihres Mannes reichte ihr vollkommen. Auch wenn die Schwiegereltern von Laura erwarteten, dass sie ihr ein paar Enkel schenkten. Glücklicherweise hatte sie in Davide einen Partner gefunden, der ebenso wenig Nachwuchs wollte. Seine gesamte Aufmerksamkeit galt – neben Laura selbstverständlich – dem Restaurant. Sie waren sich selbst genug Familie und damit äußerst zufrieden.

„Ehrlich, Laura, weißt du eigentlich, was hier grad los ist?“

„Urlaubszeit?“

„Der Kandidat hat einhundert Punkte.“

„Komm schon, gib dir einen Ruck. Jan hat bestimmt nichts dagegen. Wenn du alles soweit organisiert hast, kannst du doch bestimmt ein paar Tage frei nehmen.“

„Ich weiß nicht.“

Tessa schaute aus dem Fenster. Der Ausblick war nicht besonders. Ihr Büro lag auf der abgewandten Seite der Alster. Der Traumblick aufs Wasser war lediglich den Gästen vorbehalten. Alle Büroräume lagen im hinteren Teil des Gebäudes. Selbst Jans Büro hatte keine schöne Aussicht. Und er war der Manager des Hotels. Eher ein Kumpel als ein Chef. Hätte Tessa private Probleme gehabt, sie hätte selbst mit Jan darüber sprechen können.

Der Gedanke, ihren Geburtstag im Süden zu verbringen, hatte durchaus etwas Positives. So schlecht war der Sommer jedoch in diesem Jahr in Hamburg nicht. Trotzdem wusste man nie, was man bekam und wie sich das Wetter morgen entwickeln würde. In manchen Jahren waren die Temperaturen zu ihrem Geburtstag ebenso hoch wie zu Weihnachten. Was im Juni nichts Ungewöhnliches war.

„Steffen ist doch sowieso nicht da. Dann bist du zu deinem Geburtstag wenigstens nicht allein.“

All die Jahre hatte Steffen es immer einrichten können in dieser Zeit bei ihr zu sein. Nur in diesem Jahr lies es sich nicht anders regeln. Ein neuer Kunde forderte seine gesamte Aufmerksamkeit. Wofür Tessa durchaus Verständnis hatte. Schließlich hatte Steffen einen verantwortungsvollen Job der Marketing-Abteilung einer großen Firma. Auch er wollte Karriere machen. Was durchaus wichtig war, sollte Tessa schwanger werden. Nach einiger Zeit wollte sie zwar wieder arbeiten, aber sie wollte sich auch der Erziehung der Kinder widmen. Vor allem aber wollte sie es nicht bei einem Kind belassen. 

Das Haus war noch lange nicht abbezahlt. Alles war genau durchgerechnet. Sie konnten es sich leisten. Damit das so blieb, war es jedoch notwenig, dass Steffen weiter an seiner Karriere feilte und seine Stellung in der Firma festigte. 

Daher akzeptierte Tessa ohne Murren die lange Geschäftsreise, die er ausgerechnet in der Zeit ihres Geburtstages in die USA machen musste. Gern hätte sie ihn begleitet. Hätte alles getan, um Urlaub zu bekommen. Aber er meinte, das seien verschwendete Tage, die er viel lieber anders mit ihr verbringen würde. Er würde absolut keinen Kopf haben, sich mit ihr auseinanderzusetzen und das hätte sie nicht verdient. Er war eben ein guter Mann und sie glücklich ihn zu haben.

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