Lebenszeichen

Du miene Güte, das ist schon gar nicht mehr wahr, wie lange ich mich hier habe nicht mehr blicken lassen.

Und es ist so unglaublich viel passiert, dass es ganz sicher den Rahmen sprengen würde, wenn ich das alles aufschreibe.

Ich versuche das mal chronologisch irgendwie aufzudröseln.

• Nachdem ich im letzten Jahr einen Ärztemarathon hinter mich gebracht habe, konnte ich in diesem Jahr dann endlich eine Reha beantragen.

• Im Juni ist der Lebensgefährte meiner Schwiegermutter gestroben.
Es war in der Tat ein Segen für alle, in erster Linie aber für ihn. Das war kein Leben mehr und einfach nur schlimm anzusehen, wie er immer weniger wurde. Es gibt Dinge im Leben, die will man einfach nicht sehen und schon gar nicht erleben.
Erleichternd war die Abgabe der Betreung. Vom Amtsgericht haben wir erfahren, dass ein solcher Umfang sehr ungewöhnlich war und man bei Gericht so etwas noch nie erlebt hatte. Das hat alle Beteiligten überfordert.

• Die Demenz meiner Mutter schritt immer weiter und vor allem schnell voran. Zum Glück hatte ich bereits im Sommer ein Pflegeheim organisiert, sodass sie nun recht kurzfristig letzten Freitag umziehen konnte. Nachdem sie noch Corona positv wurde und dann auch meinen 93-jährigen Vater angesteckt hatte. Sie hatte keine Symptome, während es meinem Vater schlecht ging und er sich noch immer nicht richtig davon erholt hat. Ich fürchte, für ihn wird ein Umzug ins Pflegeheim auch in naher Zukunft anstehen. Da er aber noch nicht dement ist, wird das sehr schwer werden.

• Meine Schwiegermutter hingegen wird auch zunehmend dement. Was allerdings nicht schimm ist. Vergessen ist nicht die schlechteste Option. Wenn es gut läuft, dann vergisst sie, was mit ihrem Lebensgefährten passiert ist. Ich hatte mich ohnehin schon immer gefragt, wie sie das aushält. Allerdings hat sie auch eine eigenwillige Einstellung zu dieser Beziehung gehabt. Sie war in erster Linie sauer auf ihn, dass er sie einfach allein gelassen hat. Offensichtlich hatte sie nie verstanden, dass er bereits gegangen war. In ihrer Welt würde er irgendwann die Augen wieder öffnen und sie könnten gemeinsam wieder nach Hause.
Sie versteht bis heute nicht, dass sie Pflegegrad 4 hat und somit auf keinen Fall allein leben kann. Sie dachte, sie ist zur Bespassung ihres Lebensgefährten im Pflegeheim und wollte nach seinem Ableben sofort wieder nach Hause.

• Im Sommer bekam ich recht schnell eine Zusage für eine Reha. Ich war erstaunt, dass ich offensichtlich viel kranker war, als ich angenommen hatte. Was in erster Linie daran lag, dass der Lungenarzt in seinem Arztbrief schrieb, dass er annahm, ich müsste einen sehr schweren Herzfehler haben, anders könnte er sich meine schlechten Werte nicht erklären. Ich war allerdings zuvor beim Kardiologen. Mit dem Ergebnis: mein Herz ist vollkommen gesund. So wie der Rest meines Körpers. Es gab weder einen Befund beim Kardiologen, beim Lungenarzt, beim Neurologen und auch beim Endokrinologen. Letztere deutete an, dass bei mir wohl ein Fatigue-Syndrom vorliegt.

• Dennoch wurde ich in eine kardiologische Reha geschickt.
Ein Disaster.
Das erlebte der drei Wochen Reha aufzuschreiben würde beinah ebenso lange dauern.
Fazit: Es hat NICHT geholfen.
Mir geht es nach wie vor schlecht.
Enzig der Umgang mit Stress ist ein klitzeklein weing besser.
Was mir nur leider nicht viel hilft, denn der Stress, dem ich seit meiner Rückkehr ausgesezt bin, ist noch viel schlimmer, als alles, was ich bisher in meinem Leben erlebt habe. Und das war in der Vergangenheit schon nicht gerade wenig.
Und was ich bei der Bewältigung von Stress eben nicht gelernt habe, wie man dem Stress, der von außen auf einen eindringt und den man nicht verhindern kann, begegnet.

Das einzig wirklich positive an Reha ist der Umstand, dass ich es geschafft habe abzunehmen.
Es kann am vermehrten Sport gelegen haben – den ich nicht gut vertragen habe und es mir eben dadurch immer noch schlecht geht – aber ich denke wohl in erster Linie am Essen. Ich habe drei Wochen lang nur Wasser getrunken und kaum etwas gegessen. Was nicht schwer viel, denn das Essen in der Klinik war unterirdisch schlecht. Abends gab es für mich lediglich Salat und eine trockene Scheibe Brot.
Das Highlight des Tages war ein Mini-Schoko-Riegel am Abend.
Und das soll schon was heißen, denn ich mag ja gar keine Schokolade.

• Blöderweise habe ich verabsäumt bereits vor der Reha einen Termin zur Nachsorge bei meinem Arzt zu machen. Sodass ich nun erst Anfang Januar einen Termin habe. Ich werde dann mit ihm besprechen, dass ich nochmals eine Reha mache, aber dieses Mal in der richtigen Klinik.

Das war es also in kurzen Worten über mein Leben der vergangenen Monate. Ich habe mich tatsächlich mehr oder weniger aus allem herausgehalten. Ich komme nicht mehr zum Schreiben und auch sonst zu kaum etwas, was Spaß macht.
Einzig die Gartenarbeit erfüllt mich mit Freude und führt dazu, dass ich immerhin für einen kurzen Moment nicht über das ganze Elend nachdenken muss.

Ich hoffe, euch allen ist es besser ergangen als mir und ihr hattet einen tollen Sommer.

Der Herbst ist ja nun im vollem Gang und beschert uns eine herrliche Zeit mit lauen Temperaturen.

Ich freue mich tatsächlich auf die bevorstehende Vorweihnachtszeit, auf Abende vorm Kamin mit einem schönen Glas Rotwein.
Das sind doch Aussichten, die einem gleich ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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8 Kommentare zu “Lebenszeichen

  1. Prof. Stark, Hamburg kann evtl. helfen
    Auf solche Experimente wie mit der Reha solltest Du im eigenen Interesse verzichten. Aber ich glaube, da hatte ich schon vor gewarnt.
    Drück Dich mal. Und schön wieder von Dir zu lesen, auch wenn da wenig positiv klingt.

  2. Das klingt ja wirklich gar nicht gut bei dir. Ich hoffe sehr, dass der Termin im Januar dich weiter bringt, vor allem in eine gute Reha, die dir dann wirklich auch eine Verbesserung bringt. Klingt aber auch schwer sich bei all den Umständen nicht stressen zu lassen. Ich wünsche dir dennoch, dass es dir irgendwie gelingt!

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